Zukunft denken und Netzwerken beim DBG Forum 2012: „Vom Wert des Grüns für die Zukunft der Städte“

DBG-News - 07/12

Das diesjährige Forum der Deutschen Bundesgartenschau-Gesellschaft mbH (DBG)  fand  Ende  April  in Wilhelmsburg statt: Über 130 Teilnehmer waren der Einladung zum Thema „Vom Wert des Grüns für die Zukunft der Städte“ gefolgt: Gartenamtsleiter, Kommunalpolitiker,  Landschaftsarchitekten, Stadtplaner, Hochschulprofessoren, BUGA/IGA/LaGa Ausführende und führende Mitarbeiter von GaLa-Baubetrieben. Auch Studierende der Hochschulen für Städtebau und Freiraumplanung aus Detmold, Berlin und Bochum waren gekommen. Sie alle nutzten die Gelegenheit zum regen Netzwerken und Austausch über planerische und praktische Parkgestaltung. Mit 98 Teilnehmern am igs-Geländerundgang war die Vortagsveranstaltung extrem gut besucht.

Orientierten sich die bisherigen Themenforen der  DBG  hauptsächlich an BUGA/IGA Themen, war die DBG in Hamburg in erweitertem Kontext unterwegs: hier beschäftigte man sich generell mit urbanem Grün in der Stadt – und  Regionalentwicklung. Unter sozialen, demographischen und klimatischen Aspekten.

Zu hochkarätigen Referentenbesetzung gehörten die Professoren Andreas Fritzen, Klaus Neumann und  Claudius Schmitz, -  mit Heiner Baumgarten, Geschäftsführung der igs, Dr. Andreas Kipar,  L.A.N.D. Mailand, Uli Hellweg, Geschäftsführung IBA Hamburg  und Ivo Krings Architekturbüro Krings, wurde das Thema national und international beleuchtet. Dr. Eike Wenzel vom Institut für Trend- und Zukunftsforschung in Hamburg referierte über zukünftige Zielgruppen, deren neuen Lebensentwurf und multiple Ansprüche an die Grünflächen der Zukunft. 

Verdichtete Zentren, Patchworkstädte und Passagen

Die Frage nach dem Grün in der Stadt war hier nicht mehr nur eine „dekorative Frage“. In seinem Grußwort machte Hamburgs Oberbaudirektor Prof. Jörn  Walter deutlich: „Wir wachsen nicht mehr nach außen, sondern nach innen, wir verdichten Städte und Stadtteile und müssen mehr Aufwand in die Qualität des Freiraums stecken“, meinte er. „In den neuen Patchworkstädten, die um die Zentren gebaut werden, kommt dem Grün zudem die  Rolle der städtebaulichen Vernetzung zu  – der Grünraum muss das Passagenthema spielen, gestalterische Aufgaben erfüllen, anders in seinen inhaltlichen Schwerpunkten ausgerichtet werden.“

Das Forum beschäftigte sich auch mit der praktischen Umsetzung: Strategien,  wie urbanes Grün nun in Zeiten knapper Kassen gestaltet werden kann, wie sich Parks vom Kostenfaktor zum Wertfaktor entwickeln können.

Parkmanagementkonzept für zehn Jahre entwickeln

Heiner Baumgarten, der die Entwicklung des zukünftigen Wilhelmsburger Inselparks beschrieb, gab Empfehlungen für die Zukunft:  „Jeder große Park, der für eine Vielfalt von Interessen geeignet sein soll, braucht ein Pflege- und  Entwicklungskonzept, das über einen Zeitraum von zehn Jahren hinaus denkt. Es reicht heute nicht mehr, einen guten Trupp an Landschafts- und Staudengärtnern zu haben, um einen Park zu pflegen. Es braucht ein unendlich intensives Auseinandersetzen mit der Nachbarschaft, es braucht aber auch über die Mittel hinaus, die die öffentliche Hand zur Verfügung stellt, weitere Möglichkeiten zum  Erhalt und Ausbau. Das lässt sich nur mit einem Parkmanagement einrichten“. 

Eine BUGA 2025 muss sich um das Thema Stadtklima kümmern

Mit Professsor Andreas Fritzen von der Hochschule Bochum betrat ein  Stadtplaner die  Bühne des Bürgerhauses. Sein Thema war die Rolle des Freiraums als Kompensationsfläche für den Klimawandel. „Wenn wir 2080 standardmäßig europäische Sommer über 40 Grad Celsius haben, müssen wir uns bei der Freiraumplanung heute schon damit auseinandersetzen.“ Köln - mit seinem von Fritz Schumacher und Konrad Adenauer entwickelten Ringradialsystem - , dem inneren und dem äußeren Grüngürtel, sei ein gutes schon sehr in die Zukunft gedachtes Klimaschneisen-Konzept. Es müsse möglich sein, daraus auch neue Entwicklungen für Parkflächen in Städten abzuleiten. „Machen sie mit den Bundesgartenschauen nicht nur kleine Pläne“, wandte sich Professor Fritzen an die  Gastgeber.

Wie werden sich Landschafttypen verändern?

Doch wie sieht es in Zukunft mit historischer Industrielandschaft oder Kulturlandschaft aus? Was bleibt, wird in die Städte transportiert und zur Patchworklandschaft mutieren? Dr. Andreas Kipar zitierte Marcel Proust: „ Der Vorgang der  Entdeckung besteht nicht darin, Neuland zu finden, sondern das Vorhandene mit anderen Augen zu sehen.“ Wir werden uns in diesen kargen Zeiten nicht mehr leisten können, alles abzureißen und sedimentieren müssen. Wichtig sei es, Tendenzen wahrzunehmen. „Wir brauchen kodifizierte Stationen, in denen wir unser Denken und Handeln verorten können. Wir brauchen die Kontamination mit anderen – und: das Vorhandene mit anderen Augen zu sehen, dafür reicht manchmal nur ein kleiner Schritt“, meinte er.

Vom Kostenfaktor zum Wertfaktor

Mit Professor Dr. Klaus Neumann von der Beuth Hochschule Berlin war ein Mutsprechender nach Hamburg gekommen: er zeigte  den Paradigmenwechsel auf, der sich mit dem Unterhalt urbanen Grüns vollzogen hat. Seine These lautete: Freiraum wird sich vom Kosten-  zum Wertfaktor wandeln. Neue, auch kommerzielle Nutzungen und Inhalte werden zukünftig zu zusätzlichen Organisations- und Betreibermodellen, zu neuen Verantwortlichkeiten in Bezug auf Haftung und Pflege führen, lassen aber auch neue Inwertsetzungsstrategien für Gärten, Natur  und Freiraum entstehen. Worin liegt das begründet? Parks und grüne Freiflächen stellen nicht mehr den Versorgungs- sondern den Erlebnisaspekt in den Vordergrund. Und vermarkten ihn.

Professor Neumann endet mit einem Zitat von Niklas Maak, aus der  FAZ vom 27.11.11, das sehr deutlich macht, welche wichtige Rolle das Stadtgrün der Zukunft  spielen sollte: „Wäre es nicht ökologischer, die Städte zu verdichten und die brachliegenden Flachdächer in Gärten umzuwandeln, so dass die Pendler in der Stadt bleiben könnten, anstatt mit ihren Großraumlimousinen in die Kiste vor der Stadt zu fahren? Und dabei zehnfach jene Energie zu verdieseln, die der klapperige Dämmputz einspart? Und das alles nur, um in einem Haus „im Grünen“ zu sein, was ja oft auch […] eine große Selbsttäuschung ist: Vom Garten des 500-Quadratmeter-Grundstücks bleiben, nachdem neben dem Haus noch zwei Autostellplätze, ein Schuppen für Fahrräder, Rasenmäher und Grill sowie eine Terrasse abgezogen werden mussten, oft 50 m² Quadratmeter Rasen übrig.“

Am Ende der Veranstaltung stand fest: wir müssen über den Tellerrand schauen, mehr innovative internationale Konzepte prüfen, Visionen und Wettbewerbe mit neuen gestalterischen Aufgaben denken, ausschreiben und annehmen. Der Trend bei den Bürgern verdeutlicht die Sehnsucht nach Natur und sinnlicher Erfahrung im Freiraum der Stadt.  

Alle Vorträge stehen auf der Website der Deutschen Bundesgartenschau-Gesellschaft mbH zum Download bereit: bundesgartenschau.de/ueber-die-dbg/dbg-veranstaltungen/dbg-forum/dbg-forum-2012/

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