Interview mit Beate Reuber

IGA Berlin 2017 - 07/17


Bei einem Rundgang über das IGA-Gelände trafen wir Beate Reuber, Senior Park Managerin der „Gärten der Welt“, die den Park schon vor der IGA gepflegt und gehegt hat. Ihre ganze Pflanzenliebe gehört den internationalen Gärten. Wir fragten sie, was sich alles in einem historischen, gewachsenen Park ändert, wenn eine Gartenschau ihn erweitert. Schließlich ist mit Besucherströmen zu rechnen, die Infrastruktur muss angepasst werden und das nicht nur im Wegebau, sondern auch in der Gastronomie. Fragen über Fragen, die es zu klären gilt.

Wie viele Jahre im Voraus wussten Sie von der Erweiterung Ihres Parks?

Im Jahr 2010 konnte ein weiterer und vorerst letzter Nutzungsvertrag über eine Fläche von mehr als 12 Hektar mit dem Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf geschlossen werden. Dieser Entwicklung waren zahlreiche z.T. kleinere und mittlere Flächenübertragungen vorausgegangen. Mit der Übertragung dieser ehemals landwirtschaftlich genutzten Fläche vergrößerte sich die Gesamtfläche der Gärten der Welt von ca. 21. Hektar auf über 40 Hektar. Das weitestgehend verwilderte und lange Jahre brachliegende Gelände wurde jedoch nicht gleich erschlossen. In einem ersten Schritt erhielt das Büro Rehwaldt Landschaftsarchitekten aus Dresden den Auftrag einen Masterplan über die Erweiterungsflächen unter der Bezugnahme der bereits vorhandenen Gärten der Welt zu erarbeiten. Dieser, die Gesamtfläche betrachtende Plan legte Wegeverbindungen, Hauptachsen, Blickbeziehungen fest und wies bestimmte Flächen zur „Bebauung“, zum Beispiel den Bühnenstandort, den Standort des Besucherzentrums und des Englischen Gartens aus.

Bereits kurz nach der Entscheidung die IGA 2017 in Berlin durchzuführen, wurden die qualitativ sehr hochwertigen und authentischen Gärten der Welt als Außenstandort der IGA Berlin 2017  - welche ja ursprünglich auf dem Tempelhofer Feld stattfinden sollten, betrachtet. Nachdem der Standortwechsel der IGA Berlin 2017 vom Tempelhofer Feld zu den Gärten der Welt erfolgte, wurde ein internationaler landschaftsplanerischer Wettbewerb durchgeführt. Der oben erwähnte Masterplan war hierbei ein maßgebliches Kriterium.

Welche Maßnahmen wurden auf der Zeitschiene bis zur Eröffnung der IGA unternommen?

Innerhalb des Bestandsparkes wurden umfangreiche Sanierungsarbeiten – insbesondere im Bereich der Asphaltwege und Platzflächen  – sowie Erneuerungen z.B. des Parkmobiliars durchgeführt.

Es wurden Pflanz- und Baumbestände überarbeitet und eine außergewöhnlich gut gelungene Verzahnung der „alten und neuen“ Flächen hergestellt. Alle bis dato vorhandenen neun Gärten aus Asien, dem Orient und Europa wurden genauestens betrachtet und Fassaden, Pflanzflächen und Wegebeläge überarbeitet. Hierbei war es uns sehr wichtig, die über die Jahre entstandene Patina und den Charme, den das „Alter“ allen Gärten gibt, zu erhalten.

Wie haben Sie den Park für den Besucheransturm vorbereitet?

Um die Besucherströme optimal lenken zu können, und die einzelnen Gärten – welche z.T. durch sehr enge Wegeführung gekennzeichnet sind – nicht zu sehr zu belasten, entwickelten wir ein neues Leitsystem und die Besucherlenkung durch Guides und Parkaufsicht.

Welche Umbauten im Hochbau waren besonders anspruchsvoll - und welche Bedeutung haben sie für die Attraktivierung des Parkgeländes?

Insbesondere der Umbau des alten Gewächshauses mit dem Balinesischen Garten zu einer neuen energieeffizienten Tropenhalle stellte uns vor besondere Herausforderungen. Es galt die empfindlichen Gewächse  - Baumfarne, Tempelbäume und Orchideen - sowie die traditionelle balinesische Wohnanlage zu schützen. Gelungen ist uns dieses durch den Bau der neuen, sehr viel größeren Halle über der alten Halle. Erst nachdem durch den Einbau aller Medien eine optimale Versorgung der Gehölze und der Bauwerke garantiert werden konnte, wurde das alte, sehr viel kleinere Gewächshaus demontiert. Die Tropenhalle bietet durch die Erweiterung die Möglichkeit auch kleine spezielle Ausstellungen zu zeigen und hat links neben dem Eingangsbereich auch eine Gastronomie bekommen, die asiatische Spezialitäten anbietet. Ein neuer attraktiver Anziehungspunkt für unsere Besucher! Und eine willkommene Pause für die IGA-Gäste. In der Fortsetzung eines Rundganges können diese der IGA auch auf’s Dach steigen: Das neue Besucherzentrum hat ein Biodiversitätsdach bekommen, das zu besichtigen ist. Und auch die Arena, unsere open-air Bühne, hat ein grünes Dach aus Gras zu bieten, womit sie sich harmonisch in das modellierte Gelände drumherum einfügt.

Wer hat Sie bei der Pflanzauswahl für die Tropenhalle unterstützt?

Die Planung der Innenraumbegrünung unterlag dem Büro Breimann und Bruun. Hier erfolgte eine sehr enge und produktive Abstimmung unter Einbezug der vorhandenen Vegetation. Viele vorhandene Bäume und Sträucher wurden innerhalb der neuen Tropenhalle umgepflanzt, das Pflanzkonzept erweitert und die für Indonesien so typische Pflanzenwelt optimal dargestellt.  

Im Laufe der Umsetzung dieses Pflanzkonzeptes konnte ein sehr enger Kontakt zum Botanischen Garten in Berlin-Dahlem hergestellt werden. Die dort tätigen Kollegen unterstützen uns nicht nur durch ihre große Kenntnis der technischen Anlagen und Pflanzen sondern ermöglichen uns eine kurzfristige „Einlagerung“ besonders empfindlicher mediterraner Pflanzen. Diese benötigten auf Grund der Umbaumaßnahmen zeitnah ein neues frostfreies Quartier. Wir freuen uns sehr, dass es uns möglich war, dem Botanischen Garten mit einer Ausstellung zu Palmen die Möglichkeit geben konnten, sich und Ihre Arbeit herausragend zu präsentieren. Da die Ausstellung im Überwinterungsabteil unserer neuen Tropenhalle verortet ist, besuchen viele Gäste dieses zusätzliche Highlight.

Welche Maßnahmen sind in der Fläche vorgenommen worden: zum Beispiel beim Baumschnitt, zu Staudenpflanzungen oder der Ergänzung des Rhododendronberreiches?

Bedingt durch den bereits sehr hohen Pflegestandard und der Authentizität der einzelnen Gärten der Gärten der Welt war in weiten Teilen der Parkanlage nur eine geringfügige Überarbeitung erforderlich. Der Rosengarten jedoch wurde an alter Stelle durch das Büro Geskes und Hack neu konzeptioniert und als ein weiteres Bindeglied zwischen Bestandspark und Erweiterungsfläche in Form eines Blütenblattes gestaltet. Die freie Landschaftsarchitektin Hanne Roth übernahm die Pflanzplanung. Besonderen Wert legte Sie dabei auf ein umfangreichs Sortiment, alter duftender Sorten und Rambler-Rosen. Durch die Rambler stellte Sie die Verbindung zu den umliegenden Flächen her und zog das nahe gelegene Robinienwäldchen mit in Ihre Planung ein.

Der bereits durch sein außergewöhnliches Farbspektrum – über die Grenzen Berlins hinaus - bekannte Rhododendrongarten erfuhr eine sehr behutsame Überarbeitung. Im Bestandsbereich wurden einige Rhododendron ergänzt, andere nur zurück geschnitten. Es wurden Bäume ausgelichtet und die Unterpflanzung mit weiteren Stauden und Gräsern ergänzt. Der Gesamtbereich wurde durch den „Apricot Drift“und den „weißen Dschungel“ erweitert und schafft nunmehr einen perfekten Übergang von der nahe gelegenen Brunnenstraße zur neuen Tropenhalle und dem Karl-Foerster Staudengarten. Der neue – alte Rhododendrongarten zeigte schon im ersten Jahr eine außergewöhnliche Pracht und insbesondere die sehr alten, bizarr geformten Rhododendren im weißen Dschungel begeisterten nicht nur die Besucher.

Die in allen Parkbereichen zu findenden Beete mit einer Kombination aus Gräsern, Stauden, Sommerblumen und Gehölzen  zeigen ganzjährig außergewöhnliche Blühaspekte, Laubfarben und –formen und Kombinationsmöglichkeiten.

Können Sie aus der Erfahrung mit neuen Systemen z. b. für Bewässerung und Licht Empfehlungen für Kollegen in Grünflächenämtern geben?

Einige Besonderheiten möchte ich hier erwähnen. Das umfangreiche Regenwassermanagement, welches dafür Sorge trägt, dass jegliches Oberflächenwasser, Beregnungswasser und Wasser der Spielplätze wieder dem Grundwasser zugeführt wird, und die kleinen aber fleißigen Mähroboter, welche an ausgewählten Orten Rasenflächen ständig kurz halten. So lässt sich Englischer Rasen leicht pflegen. Auch die energieeffiziente Tropenhalle mit Ihrem noch nicht sehr weit verbreitetem Heiz-System empfiehlt es sich zu testen. Hierbei wird der  Heizwärmebedarf  konstant auf 28 °C  gehalten und zugleich die Lichtbedingungen durch die Auswahl einer vertikalen Verglasung mit einem Einscheibensicherheitsglas – Weißglas für die Pflanzen optimiert . In allen  tragenden Stahlprofilen der 15 Meter hohen Halle zirkuliert 40°C warmes Wasser, das als Fassadenheizung Wärme in den Innenraum abstrahlt und zugleich die Glasinnenseite auch bei niedrigen Außentemperaturen von Kondenswasser frei hält.

Welche Beobachtungen haben Sie zum Thema Publikum gemacht?
Gibt es jetzt mehr internationale Gruppen?

Das Publikum das die IGA Berlin 2017 besucht ist oftmals sehr gartenaffin, ist sehr interessiert und hat gute Kenntnisse über Pflanzen und Gestaltungsmöglichkeiten. Dieses Publikum erhebt aber gleichzeitig auch höhere Anforderungen an z.B. Beschilderung, Mobilität und Betreuung. Festzustellen ist auf der anderen Seite, dass der Umgang, insbesondere mit den alten tradierten Gärten nicht immer so respektvoll ist, wie es die Anlage verdient hätte. Auch hat sich die Aufenthaltsdauer der Besucher sehr verändert. Hatten wir in den Gärten der Welt oftmals Publikum bis in die späten Abendstunden, ist jetzt zu verzeichnen, dass ein Großteil die IGA gegen 17:00/ 17:30 Uhr verlässt. Sicherlich ist dieses den vielen unterschiedlichen Eindrücken und Erfahrungen geschuldet welche man auf der Fläche von insgesamt mehr als 100 Hektar erleben kann. Insgesamt ist es ein sehr gemischtes Publikum aus vielen Nationen und wir hören die unterschiedlichsten Sprachen.

Was bleibt nach der IGA?

Mit und durch die IGA Berlin 2017 erhalten die Gärten der Welt und der angrenzende Kienbergpark außergewöhnliche und nachhaltige Erneuerungen durch Gebäude, gärtnerische Themen, Parkausstattung, Infrastruktur und Veranstaltungen. Neben den dauerhaften „Einbauten und Ergänzungen“ trägt jedoch ein nicht messbarer Anteil des Bereiches Marketing und Kommunikation einen wesentlichen Anteil an der zukünftige Entwicklung der Parkanlagen. Die weitreichenden Marketing-Maßnahmen, über die Grenzen Deutschlands hinweg, werden die Gärten der Welt und den Kienbergpark noch bekannter machen und auch zukünftig für hohe Besucherzahlen Sorge tragen.

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