Impulsgeber der Stadtentwicklung und Kulturgut:

DBG-News IGA Berlin 2017 - 08/16

 

Die Internationale Gartenausstellung Berlin 2017

Berlin steht wie viele Metropolen in Zeiten von verdichtetem, überhitzen Stadtraum vor großen Herausforderungen: dem Klimawandel, einem starken sozialen Gefälle und dem schon sichtbaren demografischen Wandel. Zukunftsweisende Modelle der Stadt- und Freiraumplanung, die ökologische, soziale, kulturelle und ökonomische Ansprüche an die Stadt des 21 . Jahrhunderts zusammenbringen, bieten hierfür Lösungsansätze. Gartenschauen können dazu die Rolle eines Mediums übernehmen. Sie schaffen neues Grün und sanieren Bestandsgrün, mit ihnen wachsen besonders qualitätsvolle neue Quartiere an der Peripherie zur Entlastung des Zentrums. Welche Chancen die  Internationale Gartenausstellung (IGA Berlin 2017) dabei für Marzahn-Hellersdorf spielen wird und wie überhaupt  das Berliner Stadtgrün als Kulturgut neu betrachtet werden sollte, erläutern hier IGA-Geschäftsführerin Katharina Langsch und Christoph Schmidt, Geschäftsführer der IGA Berlin 2017 GmbH und der Grün Berlin GmbH im Gespräch.

Berlin wächst und verdichtet sich aktuell mit hohem Tempo. Welche Bedeutung messen Sie Parkanlagen in dem knapper werdenden öffentlichen Raum zu?

Katharina Langsch:

Städtisches Grün kann neben allen stadtentwicklungsrelevanten Aspekten ruhig als kultureller Wert bezeichnet werden: es hat Bestand, wird akzeptiert und bewahrt. Seit Jahrhunderten sind Parks und Gärten – und seit den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts auch Gartenausstellungen – Lebens-, Erholungs- und Kulturorte. Wenn man so will: Kulturgut. Hier finden Menschen allen Alters Erholung und können für den Alltag auftanken. Die Kreativszene erprobt gern neue Formate im öffentlichen grünen Raum. Zugleich sind sie Begegnungsräume für Sport, Familienpicknicks oder Sommerfeste. Natürlich kann man hier auch ganz tradiert „spazierengehen“.

Christoph Schmidt:

Parkanlagen stehen für pure Lebensqualität! Die Schaffung von grünen Orten in einer wachsenden Stadt wie Berlin ist somit unabdingbar. Gerade Städter sehnen sich nach Natur. Umso mehr eignen sich Parkanlagen auch, um zunehmend verloren gehendes Wissen durch Umweltbildungsangebote nahe zu bringen. Kaum bekannt ist, dass Parkanlagen wesentlich zur Förderung und dem Erhalt der Artenvielfalt beitragen. Seltene Vögel, Bienen, Schmetterlinge u.v.a. finden Lebensräume in den abwechslungsreichen Parkstrukturen mit Gehölzen, Wiesen und Stauden.

Stadtgrün als Ausdruck städtischer Lebenskultur spielt im Städtetourismus eine zunehmende Rolle. Wie wirkt sich das auf das Unterhaltungsangebot aus?

Katharina Langsch:

Berlin bleibt nur hip und cool, wenn sich die Touristen nicht alle „in der City“ und somit auf engem Raum aufhalten. Berlin ist eine vielseitige Stadt, in der es viele unvermutete und spannende Orte zu entdecken gibt. Dabei spielen Parks zunehmend eine Rolle, sie werden immer mehr zur Open-Air-Kulisse für Festivals und Veranstaltungen aller Art. Hier treffen Städter auf Touristen und gehen gemeinsam Trends wie „urban gardening“ nach. Kulinarik im Grünen wie auf der beliebten „Thaiwiese“ im Preußenpark zählen ebenso dazu wie Fashionshows oder auch Theateraufführungen von der Shakespeare Company im Schöneberger Südgelände, die weit im Voraus ausgebucht sind.

Welche Spuren hinterlassen Großprojekte wie die Internationale Gartenausstellung, die 2017 stattfindet?

Christoph Schmidt:

Wenn die IGA im Oktober 2017 endet, rollen wir den „grünen“ Teppich nicht wieder ein. Im Gegenteil, der Großteil der neu geschaffenen Attraktionen und touristischen Infrastrukturen bleibt erhalten – in den erweiterten „Gärten der Welt“, die ab Ende 2017 wieder eigenständig ihre internationale Strahlkraft entfalten, und im Kienbergpark, der als neuer Volkspark für Berlin aus der IGA hervorgeht. Die IGA ermöglicht somit, dass dieser Grünzug inmitten einer der größten Plattenbausiedlungen Europa langfristig zu einer interessanten und gefragten Adresse in Berlin wird und somit vom Rand in die Mitte der Stadt rückt.

Katharina Langsch:

Eine Form der Nachhaltigkeit liegt in der Einmaligkeit: Unsere Gäste bekommen viele unvergessliche Erlebnisse – mit Berlins erster Kabinenseilbahn, internationalen Gärten der besten Landschaftsarchitekten der Welt und einer spektakulären Aussichtsplattform auf dem Kienberg, dem „Wolkenhain“. Neben einem floralen „Feuerwerk“ auf 100 Hektar und spektakulären Architekturen werden sie ein wunderbares Kunst- und Kulturprogramm erleben. Das wird Vielen lange in Erinnerung bleiben. Die ehrenamtlichen Helfer und alle Beteiligte werden stolz sagen: Ich war dabei! Gemeinsam haben wir Großes geschaffen!

Christoph Schmidt:

Die IGA gibt zudem deutliche Impulse für die Entwicklung der Stadt an der Peripherie, die lange nachwirken werden. Die IGA als Großereignis mobilisiert die Verbesserung verkehrlicher Infrastrukturen, belebt den Handel und inspiriert Wohnungsgesellschaften sogar, Häuserfassaden im Umfeld einen neuen Anstrich zu geben. Auch die Kulturszene im Bezirk ist auf die IGA aufgesprungen und präsentiert sich im Rahmen des vom Bezirk angeschobenen Projektes „IGA vor Ort“. Schon jetzt, im Vorfeld der Eröffnung, ist die IGA stadtweit in aller Munde – und damit der Bezirk Marzahn-Hellersdorf als Austragungsort. Für die Stärkung des Standortes als attraktiver Wohnort ist dies von unschätzbarem Wert.

Kino open air und Veranstaltungen im Park sind äußerst beliebt. Beeinflusst Sie dies bei der Planung und Entwicklung von neuen Parkanlagen?

Christoph Schmidt:

Wir greifen diese Entwicklung auf. Veranstaltungen sind integraler Bestandteil unserer Planungen für neu zu entwickelnde und bestehende Parkanlagen, die die landeseigene Grün Berlin GmbH bereits bewirtschaftet. Hierfür schaffen wir Veranstaltungsorte mit den entsprechenden Infrastrukturen, um Events wirtschaftlich und professionell anbieten zu können. Ein Beispiel dafür ist die neue Freilichtbühne in den Gärten der Welt, die mit der IGA eröffnet wird. Sie ist bespielbar mit bis zu 5.000 Plätzen und wird sich, wenn es nach uns geht, zur neuen „Waldbühne des Ostens“ entwickeln.

Bürger werden bei der Entwicklung von Stadträumen zunehmend einbezogen. Spielen kulturelle und künstlerische Ausdrucksmittel oder Formate für den Dialog eine Rolle?

Katharina Langsch:

Kunst spielt auf der IGA eine diskursive Rolle. Denn aus Anlass des Gartenfestivals haben wir eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Ort und mit der Zukunft von Stadtlandschaft und Stadtgesellschaft initiiert. International renommierte Künstlerinnen und Künstler wie Jeppe Hein, Anna Rispoli, Seraphina Lenz, Martin Kaltwasser u.a. entwickelten dafür skulpturale aber auch partizipatorische Arbeiten, die zum Querdenken auffordern. Lenz erarbeitet beispielweise ein Theaterstück mit Laien. Dafür geht sie in Dialog mit den Bewohnern des Bezirkes Marzahn-Hellersdorf und wählt die Darstellende Kunst als Ausdrucksmittel, indem sich Stadtbewohner mit der IGA und der damit verbundenen Veränderung und Entwicklung eines jeden selbst auseinandersetzen.

Archiv

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