Baustart für den Wilhelmsburger Kanukanal
Das neue Kanalsystem entsteht in drei Abschnitten: Der 1. Bauabschnitt erfolgt bis September 2011: Bau des Kanukanals von der Neuenfelder Straße zum Kuckucksteich; der 2. Bauabschnitt erfolgt von Juni 2011 bis Februar 2012: Bau des Kanukanals vom See am Bürgerhaus Wilhelmsburg zur Dratelnstraße; der 3. Bauabschnitt erfolgt von Februar 2012 bis September 2012: Bau des Kanukanals von der Dratelnstraße zur Neuenfelder Straße.
Ausgleich für neu versiegelte Flächen
Der Ausbau des Entwässerungssystems wird unter anderem durch den Bau der Wilhelmsburger Mitte notwendig. Durch die neu entstehenden, zahlreichen Gebäude werden Flächen versiegelt, so dass das Regenwasser nicht mehr im Boden versickern und über das Grundwasser dem Wasserkreislauf zugeführt werden kann. Überschüssiges Regenwasser muss daher zunächst gespeichert und dann über Kanäle, Wettern und Teiche, Schöpfwerke und Schleusen in Elbe oder Reiherstieg abgeleitet werden. Dazu aber ist das bestehende Entwässerungssystem nicht leistungsfähig genug. Es wird daher um das Becken an den Water Houses und einen weiteren Kanal ergänzt. Dieses System bietet ausreichend Volumen, um bei Starkregen Wasser aufzunehmen und nach „außerhalb“, in Elbe oder Reiherstieg, abzuleiten. Zugleich stellen der geradlinige Gewässerverlauf und die gewässerbegleitenden Wege der Kanuverbindung eine ästhetisch ansprechende, attraktive fußläufige Fortführung für Barkassenfahrgäste dar, auf denen sie den „Wilhelmsburger Inselpark“ erkunden können. Die geradlinige Gewässertrasse entspricht dabei dem historisch gewachsenen System aus künstlich geschaffenen Gewässern in der Umgebung.
„Der Ausbau des Kanukanals zeigt, wie gut Stadtentwicklung und Gewässerökologie Hand in Hand gehen können“, erläutert igs-2013-Geschäftsführer Heiner Baumgarten. „Zum einen entsteht eine attraktive Kanustrecke für Wasserwanderer und Spaziergänger. Zum anderen ertüchtigen wir das natürliche Entwässerungssystem der Insel, das über neue Becken und Kanäle den Tidenhub ausgleichen und überschüssiges Regenwasser an Elbe und Reiherstieg ableiten kann.“
Dazu auch Torsten Strampe, zuständiger Projektleiter beim LSBG: „Es ist für die Marschgebiete typisch, dass ihre gradlinig verlaufenden Gräben die dazwischen liegenden Landflächen entwässern. Insofern führen wir eine uralte, bewährte Tradition der Wasserwirtschaft in Marschgebieten fort und ermöglichen zugleich eine Freizeitnutzung für Kanuten und Kajakfahrer.“
Hintergrundinformationen: Was die Elbinsel vor dem Versinken schützt
Wie ein fest vertäutes Schiff liegt die Flussinsel Wilhelmsburg in der Elbe: Entstanden aus Dutzenden von kleinen Sandhügeln (Hövel) und -inseln (Werder) liegt die Elbinsel stellenweise unter dem Meeresspiegel. Bereits die ersten bäuerlichen Siedler im Mittelalter legten daher ein ausgeklügeltes System aus Wehren, Beetgräben und Wettern an, um ihre halligartigen Siedlungsgebiete bei Flut und Starkregen zu schützen. Das ist heute so wichtig wie damals: Das uralte Entwässerungssystem nimmt überschüssiges Wasser auf, Schöpfwerke pumpen es nach draußen, Schleusen regulieren den Wasserstand. Je größer das so genannte Gewässerprofil, desto mehr Wasser kann aufgenommen werden. Teil des ertüchtigten Entwässerungssystems ist daher auch das Retentionsbecken, das im nordöstlichen Teil des Gartenschaugeländes entsteht und zugleich das Baugrundstück für die Wasserhäuser der Internationalen Bauausstellung ist.
