Förderpreises Ulrich-Wolf: Preise an junge Landschaftsarchitekten verliehen

IGS Hamburg 2013 – 08/11 

Im Rahmen der Fachveranstaltung „Grün|Macht|Geld“ beteiligt sich die internationale gartenschau hamburg (igs 2013) an der Verleihung des mit insgesamt 3.500 € dotierten Förderpreises Ulrich-Wolf 2011 der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur (DGGL). Ausgezeichnet werden Entwürfe von jungen Studenten und Landschaftsarchitekten bis 35 Jahre, die sich mit der Gestaltung von drei Gartenhöfen und einem Quartiersplatz der Baugemeinschaft „Neue Hamburger Terrassen“ in Wilhelmsburg beschäftigt hatten. Die Gärten in unmittelbarer Nähe zum Park der igs 2013 sollen im Ausstellungsjahr 2013 als Beispiele für wohnungsnahe Freiräume präsentiert werden.

Die Gemeinschaftsgärten liegen u-förmig eingebettet in jeweils drei Bau-Arealen. Das Bauprojekt am Wilhelmsburger Schlöperstieg „Neue Hamburger Terrassen“ der Internationalen Bauausstellung (IBA) soll Menschen in der Stadt kostengünstiges Eigentum und gemeinschaftliches Wohnen ermöglichen. In der Baugemeinschaft haben sich Singles, Paare und Familien zusammengetan, 32 Parteien insgesamt, mit Kindern umfasst sie über 70 Personen. Ihr Wunsch war es, die grünen Innenhöfe sowohl mit allen gemeinsam als auch als Grundstückseigentümer individuell nutzen zu können. Einer der drei Gartenhöfe gehört einem Investor, der die Wohnungen und Stadthäuser vermieten wird. Zur Gestaltung der Höfe lobten DGGL und igs 2013 einen internationalen Wettbewerb aus.

Von den 25 eingegangenen Entwürfen wurden drei prämiert, zwei weitere in die engere Auswahl genommen. Der 1. Preis wird verdient an das junge Budapester Architektenteam aus Dénes Terhes, Dóra Maté und Roberta Tok vergeben. Ihre gärtnerische Idee bestach insbesondere durch ihre Individualität: Sie sah vor, dass jeder Gartenhof nach einem eigenen Thema gestaltet werden sollte. „Hängen“, „Schlingen“ und „Nebeneinander“  lauteten die Themen, die beispielsweise mit Pergolen, Regalen und bogenförmigen Konstruktionen umgesetzt wurden, in die Spielgeräte oder Blumen eingehängt oder eingestellt werden konnten. Die Terrassen vor den Wohnungen und Häusern sollten in Größe und Format variieren, so dass ein lebendiges, abwechslungsreiches Bild entsteht.

Zwar wird das ungarische Team ausgezeichnet, umgesetzt aber wird eine andere Idee: das gärtnerische Konzept „Farbfernsehen“ von Katharina Bentien und Heyden Freitag, das der Baugemeinschaft – und damit den späteren Nutzern – am besten gefiel. Es grenzt die gemeinschaftliche Grünfläche gegenüber dem öffentlichen Raum durch ein großformatiges Plattenband ab, das plattenweise mit bunt blühenden Blumen bepflanzt wird. So entsteht ein farbiger Streifen, der aussieht wie das ehemalige Testbild im Fernseher. Das Plattenband wird durch Sandkästen und Spielgeräte ergänzt und wächst mit der Gemeinschaft mit: Werden die Kinder größer, können aus den Sandkästen Beete und noch viel später Hochbeete gestaltet werden. Dem Wunsch nach Abgrenzung und Privatheit entsprach das Team, indem es als Sichtschutz zwischen den Terrassen Hochbeete aus Holz vorsieht, die von den Bewohnern individuell bepflanzt werden können. Im Ausstellungsjahr der igs 2013 wird die Gartenhofbegrünung als Beispiel für die Gestaltung wohnungsnaher Freiräume präsentiert werden.

Heiner Baumgarten, Geschäftsführer der igs 2013: „Mit unseren Wettbewerben möchten wir junge Landschaftsarchitekten ermutigen, neue, ungewöhnliche Wege zu gehen. Nun zeigt sich aber, dass nicht alles, was uns Experten gefällt, auch automatisch den späteren Nutzern gefallen muss. Die Lehre, die wir daraus ziehen sollten, lautet: Landschaftsarchitekten dürfen die Menschen nicht aus dem Blick verlieren, für die sie bauen. Nicht alles, was möglich ist, kann auch umgesetzt werden. Natürlich wollen wir mit unseren Wettbewerben Zeichen setzen für Innovation und Entwicklung. Entscheidend für den Erfolg einer gärtnerischen Idee aber ist nicht nur ihr innovatives Potenzial, sondern die Akzeptanz, die ihr die späteren Besucherinnen und Besucher entgegenbringen. Es geht um die einfache Fragen: Fühlen sich die Menschen in den von uns gestalteten Gärten und Parkanlagen wohl? Diesem Realitätstest müssen wir uns alle stellen – und bei Bedarf unsere Ideen anpassen.“

Heino Grunert, Vorsitzender der DGGL Landesverband Hamburg/Schleswig-Holstein: „Wettbewerbe bieten von jeher die Möglichkeit, im fachlichen Diskurs und in der Konkurrenz nicht nur besonders kreative Ideen zu entwickeln, sondern letztendlich für die gestellte Aufgabe nach einer unabhängigen Jury-Entscheidung das bestmögliche Ergebnis zu bekommen. Auch das internationale Interesse am Ulrich-Wolf-Preis 2011 mit den Gewinnern aus Ungarn vermittelt überzeugend diese Grundidee, deren Ergebnisse sich letztendlich in der Praxis durchsetzen und bewähren müssen.“

Die Visualisierungen der gärtnerischen Entwürfe finden Sie unter www.igs-hamburg.de/475.0.html

 

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