Buga ohne Feudenheimer Au – aber mit Luisenpark

Die Feudenheimer Au soll 2023 nicht mehr Teil der Bundesgartenschau sein, stattdessen schlägt Landschaftsplaner Stephan Lenzen ein Buga-Konzept vor, das Spinelli-Gelände, Luisenpark sowie die Innenstadt rund um Wasserturm, Augustaanlage und Kaiserring zusammenfasst. Grundidee dabei: die Orte der Gartenschauen von 1907 und 1975 mit der neuen Buga 2023 zu verbinden. Eine Gondel-Seilbahn, die den Neckar am Luisenpark überquert, könnte dafür auf der Strecke zwischen der Kurpfalzbrücke und dem Spinelli-Gelände errichtet werden.

Große Zufriedenheit

Die Vorschläge präsentierte der Bonner Landschaftsarchitekt am Montag, den 20. Juli auf Einladung der Mannheimer Bundesgartenschau-Gesellschaft den Gemeinderatsfraktionen. Geschäftsführer Michael Schnellbach auf "MM"-Nachfrage: "Das sind zunächst einmal erste Ideen, die weiter bearbeitet werden müssen." Konkrete Zahlen und Pläne gebe es noch nicht. Er habe aber den Eindruck, dass die Stadträte "mit großer Zufriedenheit" auf Lenzens Skizzen reagiert hätten.

Ähnlich äußerte sich auch Jochen Sandner, Geschäftsführer der Deutschen Bundesgartenschau-Gesellschaft in Bonn (DBG): "Wir können mit dieser neuen gedanklichen Richtung gut leben." Die Überlegung, einen inhaltlichen Bogen über die Gartenschauen von 1907 und 1975 zu spannen, finde sich bereits in der ersten Broschüre zur Buga 2023, mit der sich die Stadt 2012 beworben hatte. Sandner: "Es ist sehr positiv, dass wir jetzt die fachliche Diskussion weiterführen können."

Die neuen Buga-Ideen ergaben sich aus dem Beschluss des Gemeinderats, die Straße Am Aubuckel nicht, wie ursprünglich vorgesehen, zu verlegen, um so die Gartenschau auf dem Spinelli-Gelände und in einem Teil der Feudenheimer Au zu veranstalten. Die Einbeziehung des Landschaftsschutzgebiets Au war im Streit um die Buga einer der Hauptkritikpunkte gewesen.

"Das ist ein klares Angebot an die Kritiker, jetzt mit einer neuen, erweiterten Konzeption die Bundesgartenschau anzugehen", sagte SPD-Fraktionsvorsitzender Ralf Eisenhauer, der sich von Anfang an für die Buga mit Au stark gemacht hatte. Hauptziel sei für ihn aber weiterhin die Gestaltung des Grünzugs Nordost und die damit verbundene Belüftung der Innenstadt.

Grünen-Fraktionschef Dirk Grunert verwies auf bestehende Konzepte zur Aufwertung des Kaiserrings, die man in die Buga-Überlegungen jetzt einbringen könne. Die Einbeziehung des Luisenparks und Aussparung der Feudenheimer Au trage wesentlich zur ökologischen Entlastung bei. Im Luisenpark stünden ohnehin einige Renovierungen an, das Lenzen-Konzept mache jedenfalls Sinn: "Wir fanden das ursprüngliche Konzept gut, aber jetzt sind viele tolle Ideen auf dem Tisch, die wir weiterverfolgen sollten."

Nach den Vorschlägen Lenzens könnte die Seilbahn kostengünstig aus Anlagen früherer Gartenschauen zusammengestellt werden. Konkrete Zahlen sind in der Informationsrunde der Buga-Gesellschaft jedoch nicht genannt worden. "Wir sind mit diesen Vorschlägen auf dem richtigen Weg", signalisierte Carsten Südmersen, Chef der CDU-Fraktion im Gemeinderat, seine Zustimmung zum neuen Konzept. Es biete letztendlich die Buga, die die Mehrheit im Gemeinderat gefordert habe.

Finanzen müssen geklärt werden

Oberbürgermeister Peter Kurz wies darauf hin, dass die Lenzen-Vorschläge lediglich mit den Fraktionsvorsitzenden besprochen worden seien. Kurz: "Mit diesem Ansatz bietet sich die Chance, bestehende politische Konfliktlagen aufzulösen. So würde der Luisenpark von vornherein und für alle schon in der Planung sichtbar eine größere Rolle spielen. Vor allem das Konfliktthema Au würde für die Buga selbst keine Rolle mehr spielen."

"Das entspricht genau dem, was wir immer gefordert haben", bewertet Fraktionsvorsitzender Achim Weizel (ML) den neuen Stand der Buga-Diskussion. Für die Freien Wähler sei von Anfang an klar gewesen: "Die Au ist tabu, und der Luisenpark muss einbezogen werden."

Es müsse allerdings, so der OB und die Fraktionschefs unisono, geklärt werden, ob die Buga dann auch im vorgegebenen Finanzrahmen machbar ist. Eisenhauer: "Über die angesetzten 105 Millionen Euro wollen wir eigentlich nicht hinaus."

Fakten zur Bundesgartenschau 2023

  • Die Buga-2023-Pläne sahen ursprünglich ein rund 55 Hektar großes Areal teilweise auf dem Spinelli-Gelände und teilweise im Landschaftsschutzgebiet Feudenheimer Au vor.
  • Die Kosten sollten 105,5 Millionen Euro für Investitionen und 41,35 Millionen Euro für die Durchführung der Bundesgartenschau betragen.
  • An der Feudenheimer Au entzündete sich ein Streit, der das gesamte Buga-Vorhaben in Frage stellte. Im Bürgerentscheid im Herbst 2013 stimmten die Mannheimer mit knapper Mehrheit für die Gartenschau.
  • In der Au hatten die Planer zunächst einen großen Grundwasser-See vorgeschlagen. Nun soll ein noch etwa 1,5 Hektar umfassendes Gewässer am Nordrand der Au realisiert werden.
  • Im Lenzen-Konzept ist zudem vorgesehen, den Geh- und Radweg von der Aubuckel-Straße weg in den Grünzug hinein zu verlegen.
  • Gegenüber des Sees soll zudem ein Aussichtspunkt entstehen, der den Blick auf die ehemalige Neckarschleife freigibt.
  • Durch Anschüttung soll das Spinelli-Areal so modelliert werden, dass man die Aubuckel-Straße vom Buga-Gelände aus nicht sehen kann.

Kommentar von Thorsten Langscheid

Festgefahrene Konflikte brauchen manchmal jemanden, der mit frischen Ideen wie ein Dosenöffner wirkt. Plötzlich kommt man dort weiter, wo bislang alle Bemühungen um einen Fortschritt scheiterten. Nach dem Votum des Gemeinderats gegen die Verlegung der Aubuckel-Straße sah es lange so aus als ginge in Sachen Bundesgartenschau gar nichts mehr. Die Lenzen-Vorschläge können jetzt die Beilegung des Dauerstreits um die Buga bringen.

Denn zum einen wäre beim Verzicht auf die Au der Hauptstreitpunkt aus der Welt geschafft: Das Landschaftsschutzgebiet bliebe weitgehend unberührt vom Besucherdruck einer Gartenschau. Zum anderen bindet Lenzen ohnehin dringend überfällige Maßnahmen der Stadtreparatur in das Grünzug-Konzept ein. Der Luisenpark muss saniert werden, gar keine Frage. Und beim Kaiserring dürfte Lenzen sperrangelweit offene Türen einrennen. Die ungeliebte Borelly-Grotte ist gerade in den Besitz der Stadt zurückgefallen, die Straße zwischen Hauptbahnhof und Wasserturm ist alles andere als einladend. Hier muss ebenfalls dringend etwas geschehen. Sinnvolle Projekte kommen hinzu, strittige Maßnahmen werden nicht gegen Widerstand durchgesetzt: So kann die Versöhnung zwischen den tief zerstrittenen Befürwortern und Gegnern der Buga aussehen.

Den Beitrag von  Redakteur Thorsten Langscheid und seinen Kommentar entnahmen wir mit freundlicher Genehmigung dem „Mannheimer Morgen“ von Donnerstag, den 21.07.2016

Fakten

Organisation

BUGA Mannheim 2023 gGmbH

Gründung

April 2014

Sitz

K 7, 68159 Mannheim

Aufgabe

Entwicklung einer militärisch genutzten Konversionsfläche und Umwandlung in ein Wohnquartier, das mit einem Grünzug an innerstädtische Bereiche angeschlossen wird. In 2016 stehen wichtige Etappenziele zur Plannung und Vorbereitung des Grünzugs Nordost und der BUGA an. Derzeit wird der Entwurf entsprechend dem Anpassungsbedarf geändert. Auch Veränderungen aus dem Bürger-Beteiligungsprozess – der weitergehen wird – finden Berücksichtigung. Bis zum Beginn 2017 soll diese Überarbeitung fertiggestellt sein.

 
Gelände

Entwickelt wird die BUGA / der Grünzug Nordost auf einem ehemaligen Kasernengelände auf dem die Spinelli Baracks standen.

Webseite

>> www.buga2023.de

Stephan Lenzen

Das Büro Lenzen hatte im September vergangenen Jahres in dem europaweit ausgeschriebenen Wettbewerb „Grünzug Nordost und Bundesgartenschau 2023“ den 1. Preis im Bereich Landschaft/Freiraumplanung gewonnen. Der Auftrag umfasst zunächst die Grundlagenplanung für den neuen großen Grünzug, es geht nicht um Detailplanungen.
Zu Stephan Lenzen

Gemeinderat hat entschieden:

Das Büro RMP Stephan Lenzen wird mit der vertiefenden Planung für den Grünzug Nordost beauftragt.

HIER geht es zur vollständigen Pressemitteilung.