Seit mehr als 60 Jahren verbessern wir nachhaltig die Lebens- und Standortqualität von Städten und Kommunen. Wir schaffen Oasen, Rückzugs- und Spielflächen im urbanen Raum. Dieser Erfolg macht uns stolz und spornt uns an.

Deutsche Bundesgartenschau-Gesellschaft

„Ich plane aus dem Bauch heraus.“

Die DBG traf Christine Orel, die als Pflanzenplanerin die viel bewunderten Beete auf dem Festungsgelände und an den Zirkularbauten des Schlosses auf der BUGA Koblenz gestaltet hat. Wir haben ihr drei Fragen zum Thema Wechselflorgestaltung gestellt. 

Wenn Sie für eine BUGA/IGA/LaGa arbeiten, sind Sie Mittler zwischen dem Gesamtkonzept, das jedesmal so individuell wie die Gartenschau selbst ausfällt, dem Anspruch der Gartenbaubetriebe, die liefern, bauen und dort in den Wettbewerb gehen, dem Preisgericht, das auf überschaubarer Fläche seine Wertung vornehmen möchte: Wo bleibt Ihr eigener Anspruch und wie setzen Sie ihn durch? Wie läuft es praktisch?

Das ist sicher immer wieder eine Herausforderung. Die Aufgabe des Pflanzplaners ist es, zwischen all diesen Ansprüchen vermittelnd zu gestalten. Das ist nicht immer einfach, da manche Rahmengestaltungen für gärtnerische Belange sehr schwierige Vorgaben mit sich bringen, wie besondere Farbwünsche für die gar keine Sortimente in ausreichender Zahl existieren. Wir versuchen dann allem gerecht zu werden, und ab und zu bleibt dabei auch einiges der eigenen Ideen auf der Strecke. Man muss jedoch sagen, dass Aufgrund des Gärtnerischen Wettbewerbes mit seinen extrem komplizierten Regularien und der großen Infrastruktur die Umsetzung der Kreativität auf Bundesgartenschauen schwieriger ist, als auf Landesgartenschauen, wo der Pflanzplaner größere Freiheiten haben kann.

Woher bekommen Sie Ihre Inspiration? Aus der Mode, der Kunst, der Natur, von Reisen in bestimmte Länder?

„Ich habe nie versucht, mich in Trendthemen einzuklinken.“

Ich plane aus dem Bauch heraus und habe nie versucht, mich in Trendthemen einzuklinken. Die eigene Linie finde ich, indem ich Pflanzen betrachte und mich danach entscheide, was sich wie zu einem bestimmten Beet-Charakter kombinieren lässt. Da kann auch etwas ganz Abgedrehtes herauskommen: Orange mit Pink – dann Grau dazu. Oder eine rein grüne Pflanzung, die nur durch Blattstrukturen wirkt. Und natürlich spielt vorrangig die Stimmung der Umgebung eine große Rolle. Was ist der Geist des Ortes, seine Aura, heiter-fröhlich? Eher winterlich müde und ruhig? Was hat jede einzelne Pflanze dazu zu bieten? Natürlich kann man kein romantisches Beet vor einer Betonwand anlegen. Jede Pflanzung soll wie für den jeweiligen Ort gemacht sein, ein unverwechselbares Individuum mit einem markanten Charakter. So gibt es in Deutschland einige richtungsweisende Pflanzplaner. Petra Pelz und Cassian Schmidt haben erfolgreich experimentiert und damit richtungsweisend gearbeitet. Auch Christian Meyer und Till Hofmann setzen starke eigene Akzente mit ihren Stauden- und Sommerblumenpflanzungen und vielleicht darf ich es für mich in Anspruch nehmen, diejenige zu sein, die Pflanzungen mit Charakter, mit Themen entwickelt hat und dabei gelegentlich die üblichen Wege des Miteinanders von Pflanzen überschreitet.

Bringen Ihre Erfolge auf Gartenschauen auch eine spürbare Werbung für Ihr Büro?

„Durch die Kontakte auf einer Gartenschau entstehen auch neue Projekte“

Im Prinzip schon. Auf Gartenschauen stecken ja nicht nur Pflanzetiketten, sondern auch eine Information über den Planer. Manchmal rufen die Besucher an und fragen nach – Privatleute, die Anregungen für den Garten suchen, oder städtische Planer, die neuen Wechselflor brauchen. So entstehen durch die Kontakte auf einer Bundesgartenschau auch neue Projekte.

Wo informieren Sie sich über neueste Züchtungen? Auf den Flower Trials zum Beispiel, auf Pflanzenmessen?

Von den Herstellern bekommen wir die Kataloge zugesendet – dann nehme ich die ein oder andere Pflanzenneuheit in die Pläne auf und stöbere auf Sichtungsfeldern nach Habitus und Farbe. Die Beobachtung der eigenen Planungen lässt wertvolle Rückschlüsse zu. Allem voran bringen Gespräche mit Gärtnern aufschlussreiche Erkenntnisse über die Sortimente.


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