Pflanzen als Statussymbol

Erste Verkaufsschauen

Mit dem wachsenden Interesse an Pflanzen entwickelte sich auch die Kunst- und Handelsgärtnerei. Neben den bis dahin vorherrschenden Hof- und Herrschaftsgärtnern etablierte sich dieser neue Zweig des Gartenbaus, um nun auch die Pflanzenwünsche der nicht-adeligen wohlhabenden Bürger zu befriedigen. Da es damals noch keine farbigen Kataloge gab, waren die Kunst- und Handelsgärtner darauf angewiesen, ihr Sortiment den Kaufinteressenten vorzuführen. Daraus entstand eine neue Form der Pflanzenschauen als Verkaufsausstellung. Doch diese mehr oder minder privaten Blumenschauen konnten bei weitem nicht das vorhandene Interesse stillen.

Pflanzen werden Vereinsangelegenheit

Die breite Begeisterung für Pflanzen ließ zunächst in England und dann in Belgien exklusive Pflanzengesellschaften entstehen. In Preußen wurde 1822 auf Anordnung von König Friedrich Wilhelm III. der "Verein zur Förderung des Gartenbaus in den Königlich Preußischen Staaten" gegründet. Später folgten zahlreiche weitere Vereine, wie zum Beispiel der sächsische "Verein für Blumistik und Gartenanlagen" oder die "Flora - Gesellschaft für Botanik und Gartenbau" in Dresden. Zu den wichtigsten Aufgaben dieser Vereine und Gesellschaften zählte nun auch die Organisation von Blumen- und Pflanzenschauen. Recht schnell ging das Interesse dieser Schauen über das eigene regionale Publikum hinaus. Schon 1837 veranstaltete die belgische Pflanzengesellschaft Société d'Agriculture et de Botanique de Gand die erste Internationale Blumenausstellung in Gent.

Qualität und Quantität wachsen

Je größer und umfangreicher die Pflanzenschauen wurden, desto stärker entwickelte sich auch der Wettbewerbsgedanke unter den Teilnehmern. Das wiederum führte dazu, dass immer mehr Gärtner sich diesem Wettbewerb stellen wollten und dadurch die Schauen noch größer aber auch interessanter machten. Schon bald reichten selbst große Säle nicht mehr für die Ausstellungen. In Potsdam führte das große Ausstellerinteresse dazu, dass die Blumen-, Frucht- und Gemüseausstellung 1849 im neuen Bahnhofsgebäude der Berlin-Magdeburger Eisenbahn veranstaltet werden musste, weil alle anderen Räumlichkeiten einfach zu  klein waren. Die Städte registrierten mit Freude, dass Blumen- und Pflanzenausstellungen eine außerordentlich große Attraktivität für Aussteller und Besucher besaßen. So war es dann schließlich nur noch ein kleiner Schritt, bis die erste internationale Ausstellung in Deutschland stattfand. Hamburg, Deutschlands Tor zur Welt, war 1869 der passende Austragungsort der ersten Internationalen Gartenbauausstellung IGA. Für die damaligen Verhältnisse war die Beteiligung von 420 Ausstellern aus neun europäischen Ländern und den USA ein riesiger Erfolg. Auch die Ausstellungsfläche von 14 Hektar, die vom Millerntordamm bis an die Elbe reichte, übertraf alle vorherigen Gartenschauen.

Die Geburt der modernen Gartenschau

Ungeachtet der großen Anstrengungen und des betriebenen Aufwands dauerte die erste IGA in Hamburg gerade einmal nur zehn Tage. In den folgenden Jahren und Jahrzehnten folgten eine Fülle von Ausstellungen im ganzen Land, die aber stets als reine Produktpräsentation ausgelegt waren. Das änderte sich erstmalig mit der zweiten Hamburger IGA 1897. Mit dieser Gartenschau haben die Hamburger Maßstäbe gesetzt, die noch heute Gültigkeit haben. Es ging nicht mehr um die bloße Ausstellung von Produkten, sondern um ein Gesamterlebnis. Das Gelände war nun nicht mehr Mittel zum Zweck, sondern wesentlicher Teil des Ganzen. Jeder Baum, jeder Strauch und jede Blume fügte sich harmonisch in ein Gesamtkunstwerk ein. Das neue Konzept erforderte auch eine längere Öffnungszeit. Erstmalig wurde damit eine Gartenschau vom 1. Mai bis zum 4. Oktober veranstaltet. Die Idee zum sommerlangen Gartenfest war geboren und damit der Weg für die modernen Gartenschauen geebnet.

Fester Bestandteil des Kulturlebens

Die zweite Hamburger IGA hat der Veranstaltung von Gartenschauen nochmals einen enormen Schub gegeben. Überall im Lande fanden nun Ausstellungen und Schauen in einer schier unübersichtlichen Vielfalt statt. Das führte schließlich dazu, dass 1925 ganze 28 Gartenschauen in Deutschland veranstaltet wurden. Es gab keine Absprachen, keine Koordination und keine verbindlichen Regelungen. Damit sich einzelne Schauen aus der Menge abheben konnten, wurden ihnen teils abenteuerliche Namen gegeben: "Gugali" für die Garten- und Gewerbeausstellung Liegnitz 1927 oder auch  "Jadega" für die Jahresschau Deutscher Gartenkultur 1933 in Hannover. Die Bezeichnung "Gruga" für die Große Ruhrländische Gartenbauausstellung 1929 in Essen hat sich bis heute als Name des Parkgeländes der BUGA 1965 erhalten. Im Dritten Reich wurden auch die Gartenschauen zu einer staatlichen Angelegenheit gemacht und von 1936 bis 1939 als Reichsgartenschauen veranstaltet. Während der Kriegsjahre fanden natürlich keine Gartenschauen statt. Aber kaum war der Krieg vorbei, ging es sofort wieder los. Die erste regionale Gartenschau der Nachkriegszeit fand schon vier Monate nach Kriegsende in Erfurt statt. Bis zur Geburtsstunde der Bundesgartenschau dauerte es dann allerdings noch einige Jahre. Am 28. April 1951 war es soweit. Die erste Bundesgartenschau wurde vom damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss und dem damaligen ZVG Präsidenten Dr. h.c. Ernst Schröder  in Hannover eröffnet. Seitdem sind die im zweijährigen Turnus stattfindenden Bundesgartenschauen - oder kurz BUGAs - zu einem festen Bestandteil im Kulturleben unseres Landes geworden. Die Organisation und Koordination der ersten 22 BUGAs, einschließlich der fünf IGAs in diesem Zeitraum, lag federführend beim Zentralverband Gartenbau (ZVG), der dazu mit anderen Verbänden zusammenarbeitete. 1993 entschloss sich der ZVG gemeinsam mit dem Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e.V. (BGL) und dem Bund deutscher Baumschulen (BdB) zur Gründung der Deutschen Bundesgartenschau-Gesellschaft mbH (DBG).

Die Fotos auf dieser Seite wurden uns freundlicherweise von der >> Stiftung Deutsches Gartenbaumuseum Erfurt zur Verfügung gestellt.