Im Gegensatz zum Koblenzer Schloss, das nach schweren Kriegsschäden in den 1950er Jahren wieder aufgebaut wurde und in neuem Glanz erstrahlte, fristete der zugehörige Schlossgarten in den vergangenen Jahrzehnten ein eher tristes Dasein. In den Nachkriegsjahren mit Schutt verfüllt, entwickelte er sich zu einer wenig ansehnlichen Grünfläche. Zur Bundesgartenschau 2011 konnte der Schlossgarten mit Unterstützung der Allianz Umweltstiftung aus seinem Dornröschenschlaf geweckt und zu einer attraktiven innerstädtischen Gartenanlage umgestaltet werden.
Schloss und Garten
Das Koblenzer Schloss hat eine wechselvolle Vergangenheit: Von 1775 bis 1792 als einer der letzten monumentalen Schlossbauten des 18. Jahrhunderts errichtet, diente es nach der Französischen Revolution zunächst als Lazarett, dann als Kaserne. Ab 1846 nutzte Friedrich Wilhelm IV das Gebäude als Residenz und ließ es nach seinen Vorstellungen umbauen. Dabei wurden auch die Außenanlagen neu gestaltet – nach den Plänen des berühmten Landschaftsarchitekten Peter Joseph Lenné.
Zerstörung und Wiederaufbau
Seit dem Ersten Weltkrieg war das Schloss Sitz verschiedener Behörden, wurde im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt, in den Jahren 1950/51 aber wieder aufgebaut. Seitdem strahlt es in altem Glanz. Anders die Gartenanlagen: Sie wurden in der Nachkriegszeit mit Bau- und Kriegsschutt verfüllt und blieben bis auf die Herstellung einiger funktionaler Wegeverbindungen oder der Zweckentfremdung als Behördenparkplatz weitgehend sich selbst überlassen und entwickelten sich zu einer wenig ansehnlichen Grünfläche.
Bundesgartenschau und Schlossgarten
Zur Bundesgartenschau Koblenz 2011 wurden im Zuge der Neugestaltung des gesamten Schlossareals auch die Gartenanlagen aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt. Mit Unterstützung der Allianz Umweltstiftung konnte dabei auch der zwischen Schloss und Rhein gelegene Schlossgarten zu einem attraktiven Aufenthaltsbereich entwickelt werden. Ausgehend von der ehemaligen Gestaltung Peter Joseph Lennés entstanden im Schlossgarten drei terrassierte Gartenräume. Darüber hinaus wurden historische Wegebeziehungen aufgegriffen und neue Wegeverbindungen zum Rhein geschaffen.
Wasserbecken und Staudenbeete
Die Parterreflächen lassen in einer modernen Formensprache den alten Glanz historischer Zeiten aufleben. Geschnittene Eiben, deren Heckenkörper einen grünen Rahmen bilden, wurden mit hochwertigen Rosen- und Staudenbeeten kombiniert. Die Farbe Rot dominiert hierbei und lässt ihr facettenreiches Farbspiel auch in den Blütenblättern erkennen. Das auf der Hauptterrasse liegende historische Wasserbecken wurde grundlegend saniert und rechtzeitig zur Bundesgartenschau wieder in Betrieb genommen.
Blick zum Schloss und zum Rhein
In Richtung Rhein werden die Parterreflächen durch eine Pergola begrenzt. Das erhöhte Terrassenniveau der Pergola ermöglicht den Gartenbesuchern dabei nicht nur Einblicke in und Ansichten auf die Parterreanlagen und das Schloss. Über die preußische Mauer hinweg, die vormals den Schlossgarten von der Rheinpromenade trennte, ist nun auch der Rhein zu sehen.
An den formal gestalteten Parterregarten schließt seitlich ein im Stile des Landschaftsgartens gestalteter naturnaher Gartenraum an. Auch dieser in der lenné´schen Planung konzipierte Bereich wurde unter Berücksichtigung des Altbaumbestandes behutsam saniert. Geschwungene Wege und zusätzliche Strauchanpflanzungen bilden hierbei ein Wechselspiel zwischen offenen Parkräumen und blühenden Anpflanzungen aus Rhododendren, Ziersträuchern und Stauden.
Gartenanlage und Stadtachse
Mit der Wiederherstellung des Schlossgartens wurde nicht nur eine attraktive innerstädtischen Gartenanlage geschaffen. Gleichzeitig konnte eine wichtige historische Stadtachse aktiviert und eine neue Wegeverbindung vom Stadtzentrum zum Rhein geschaffen werden. Denn erstmalig erhält das in der Vergangenheit über Jahrzehnte lang versperrte Schloss ab 2011 einen öffentlichen Zugang für die Besucher und Anwohner von Koblenz. Eine städtische Gesellschaft bezieht die Räumlichkeiten des Mitteltraktes und gewährleistet eine dauerhafte Durchquerung des Schlosses vom Schlossvorplatz zum Schlossgarten.
Die Öffnung des kurfürstlichen Schlosses und die damit einhergehende neue Wegeverbindung von der Stadtmitte zum Schloss, durch den attraktiven Schlossgarten hindurch zur neu gestalteten Rheinpromenade und Rheinstufenanlage, setzen neue Maßstäbe in der Stadtentwicklung von Koblenz. In Zeiten demografischen Wandels kommt das dem Wunsch nach kurzen Wegen zur Erholung auf vielfältige Art entgegen.
Über das Engagement der Allianz Umweltstiftung
Eine Stadt ist nicht nur ein von Baumeistern gestaltetes, sich partiell wandelndes Gebilde aus Straßen und Gebäuden. Eine Stadt braucht Platz und Plätze für das Leben außerhalb der vier Wände: Freiräume zum Verweilen und Durchatmen, zum Kommunizieren, Bewegen und sich Wohlfühlen. Sie braucht Plätze, Parks und Gärten, die alle Generationen täglich nutzen und genießen können. „Leben in der Stadt“ ist einer von fünf Förderbereichen, mit denen die 1990 gegründete, operativ tätige Allianz Umweltstiftung deutschlandweit agiert. Mit der sorgfältigen Realisation stadtökologisch, städtebaulich und landschaftsarchitektonisch bereichernder Projekte schafft sie – nach festgeschriebenen Förderprinzipien und gemeinsam mit ihren Partnern – sichtbare, erlebbare und positiv spürbare Veränderungen. www.allianz-umweltstiftung.de
