Interview mit Jeppe Hein

Wie haben Sie den Weg zur IGA gefunden? Kannten Sie Frau Aßmann oder Frau Lohmann?

Ich kenne Katja Aßmann bereits seit einigen Jahren und wir haben schon für EMSCHERKUNST.2010, dem Kunstprojekt im öffentlichen Raum der europäischen Kulturhauptstadt RUHR.2010, zusammengearbeitet. Katja Aßmann lud mich im Frühjahr 2013 ein an einem Projekt für die IGA zu arbeiten und Reflecting Gardens ist das Resultat unserer erneuten, wunderbaren Zusammenarbeit.

Was hat Sie für den Ort und die internationale Gartenausstellung eingenommen?

Die Vielfalt der dort präsentierten Pflanzenwelt, die ja in kleinerem Umfang bereits in den existierenden Gärten der Welt zu bestaunen war und weiterhin zu sehen sein wird, sowie die Möglichkeit in meiner Wahlheimat Berlin ein permanentes Spiegellabyrinth zu realisieren, haben mich am meisten fasziniert.

Wie empfinden Sie als Däne und Künstler die internationale Gartenschau?

Ich persönlich arbeite unwahrscheinlich gern im Garten und daher ist so eine Gartenschau natürlich eine wahnsinnige Inspiration für mich.

Ihre Spiegel-Stelen sind elegant und spielen mit dem eigenen Konterfei. Gibt es einen Moment, in dem man sich so im Winkel stellen kann, das man sich ganz sehen kann. Als kompletten Menschen und nicht kubistisch "in Scheiben" getrennt?

Steht man frontal vor einer der Spiegelstelen kann man sich schon von Kopf bis Fuß sehen, jedoch bleiben auch die Reflektionen auf den Stelen daneben, davor und dahinter im Blick. Doch gerade dass ist ja das Interessante an so einem Spiegellabyrinth und der spannende Unterschied zu einem normalen Wandspiegel.

Soll man sich überhaupt suchen? Was ist der Trick hinter den Spiegel-Stelen? Wie soll der Betrachter damit umgehen? Was wollen Sie mit den Stelen bewirken?

Für mich ist der Begriff der Skulptur eng mit Kommunikation verknüpft. Anstatt passiver Wahrnehmung und theoretischer Reflexion, ist die direkte und körperliche Erfahrung der Besucher wichtiger für mich. Meine Installationen ermöglichen den Betrachtern eine aktiven Teilnahme, überraschen sie mit Unerwartetem und bieten ihnen eine herausfordernde, inspirierende und ästhetische Erfahrung, welche zwischenmenschliche Interaktion fördert und meinen Arbeiten soziale Qualitäten verleiht.

Spiegel sind hierfür ein ideales Material, denn sie verändern und hinterfragen unsere Wahrnehmung, indem sie die Heterogenität eines Raumes vervielfachen. Im Angesicht eines Spiegels reflektieren wir unsere eigene Präsenz und Position in der Umgebung. Wir werden uns der Einschränkungen und der Möglichkeiten bewusst, die dem Akt des Schauens innewohnen. Alle meine Spiegelinstallationen beziehen sich daher auf die Anwesenheit der Besucher und fragen diese: Warum bist du hier? Was machst du hier? Wie betrachtest du die Kunst und die Umgebung? Wie wirst du von der Kunst und der Umgebung betrachtet?

Wie geht es Ihnen selbst bei der Betrachtung Ihres Konterfeis mit Ihrer Kunst?

Wir schauen uns jeden Morgen im Spiegel an, um zu überprüfen wie wir aussehen, aber wir fragen uns dabei ganz selten: wie geht es mir eigentlich? Ich glaube das ist eine ganz wichtige Frage, die wir uns öfter stellen sollten und vielleicht fällt uns das leichter in einem Spiegellabyrinth, welches unser Spiegelbild in einen anderen Kontext stellt.

Spiegel üben seit ihrer Entstehung eine faszinierende Anziehungskraft auf Menschen aus. Nutzen Sie sie auch mal in einem anderen Kontext?

Wenn Sie damit meinen, dass ich Spiegel auch für andere Kunstwerke verwende, außer den Spiegellabyrinthen, dann ja. 2002 realisierte ich meine ersten beiden Arbeiten mit spiegelnder Oberfläche: Small Mirror Ball und Big Mirror Ball. Ich fand heraus, dass die Reflektionen die Besucher anziehen und sie näher an das Kunstwerk herantreten lassen, damit sie sich und andere sowie die Umgebung besser anschauen können. Zugleich bot ihnen die verzerrte Spiegelung eine neue, ungewohnte Sichtweise. Dabei machen Spiegel uns direkt bewußt, wie neugierig wir sind, andere beobachten, die uns beobachten.
Bis dato habe ich einige spiegelnde Werke realisiert und dabei mit Spiegelglas, Spiegelfolie, Spionspiegelglas und hochglanzpoliertem Edelstahl gearbeitet, je nachdem welche Effekte ich erreichen wollte. Die Anwesenheit des Betrachters ist, wie bei eigentlich allen meinen Arbeiten, essentiell für diese Werke.

Sie haben zwei Töchter - zeigen Sie denen die IGA?

Mittlerweile habe ich sogar drei Töchter und ich werde die IGA sicherlich mit meiner Familie ansehen, da es dort vor allem für Kinder vieles zu entdecken gibt.

Kunst mal ganz praktisch: müssen die Spiegel gereinigt werden? Oder gehört es dazu, das sie verwittern? Was ist das für ein Material?

Die Spiegelstelen sind aus hochglanzpoliertem Edelstahl der auch beim Bau von Jachten genutzt wird. Nichtsdestotrotz müssen diese regelmäßig gereinigt werden, um die Wasserflecken vom Regen und die Fingerabdrücke der Besucher abzuwischen.

Was geschieht nach der IGA mit dem Kunstwerk?

Es bleibt vor Ort und ist als Teil der Gärten der Welt weiterhin zu sehen, worüber ich mich unglaublich freue.