Während zur Zeit etwa die Hälfte der Bevölkerung in Städten lebt, wird für 2030 prognostiziert, dass zwei Drittel der Weltbevölkerung Städter sein werden. Das Fundament dieser Entwicklung ist die „Europäische Stadt“. Sie stellt seit Jahrtausenden den räumlichen Identifikationspunkt der Bevölkerung in der Region, das Zentrum von Handel und Produktion, Bildung und Kultur, den Knotenpunkt von unterschiedlichen Verkehren und die sparsamste, umweltverträglichste Siedlungsform dar.
Die Europäischen Städte stehen heute vor besonderen Problemen: regionale und globale Konkurrenz, Überalterung der Bevölkerung, Zunahme sozialer Segregation, Bedeutungsverlust der Innenstädte, Mangel an Frei- und Grünflächen, Unverträglichkeit des städtischen Verkehrs, Banalisierung des Stadtbildes, Überalterung von Infrastruktureinrichtungen und Bausubstanzen.
Die Großstadt Köln mit ihrem breiten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Profil steht in Europa prototypisch vor diesen Aufgabenbereichen und nimmt die dadurch entstehenden Herausforderungen an. Das „Leitbild 2020", der „Städtebauliche Masterplan Innenstadt", die „Rechtsrheinischen Perspektiven“ und die aktuelle Bewerbung um eine weitere Bundesgartenschau in Köln sind anspruchsvolle Planwerke. Die Aufwertung des Stadtteils Deutz, die Entwicklung des Rheinauhafens und der Rheinpromenade, die Planungen für die Kölner Universität, für die Fachhochschule, das Gereonsviertel und das Opernquartier setzen diese Ansprüche vorbildlich um. Diesen eingeschlagenen Weg gilt es fortzuführen.
Chance für die Grünerweiterung Kölns
Schon im „Gesamtkonzept der Kölner Stadtentwicklungsplanung“ von 1978 wird eine neue Kölner BUGA beschrieben, die Freiraum schafft und untergenutzte Freiräume da attraktiviert, „wo einerseits eine historische Stadtgestalt und Stadtqualität Kölns vorliegt, andererseits aber auch eine erhebliche Unterversorgung besteht". Der „Städtebauliche Masterplan Innenstadt” hat diese Planungsabsicht konkretisiert und zeigt die Jahrhundertchance auf, die sich durch die Verlagerung des Großmarktes und die Umnutzung des Güterbahnhofes Bonntor bietet. Das Erbe Konrad Adenauers und Fritz Schumachers, das europaweit einzigartige Freiraumsystem aus grünen Gürteln und radialen Parks, könnte zu seinem hundertjährigen Jubiläum in Stand gesetzt und ausgebaut werden.
Die „BUGA Köln“ würde den inneren Grüngürtel an seiner Südflanke bis zum Rhein fortsetzen und insgesamt die Durchlässigkeit und Gestalt dieses zentralen Grünraums aufwerten. Das Zusammenwirken von Freiraum, Nutzungen und baulicher Gestalt der Grüngürtelränder würde zukünftig eine Synergie bilden und nicht wie bisher ein Nebeneinander bleiben. Der Bahndamm und weitere Verkehrsbauwerke, wie z.B. Stützwände, Unterführungen, Bahnbrücken oder Viadukte, sind Bauwerke und Landschaftsbestandteile, die im Rahmen der „BUGA Köln“ neu genutzt und inszeniert werden könnten.
Für die Maßnahmen im Grüngürtel und am Rhein wird es wichtig sein, Ansprüche zu formulieren und Erfolge zu zeigen: Wieviel neue Freifläche würde im Herzen Kölns entstehen? Welche Verbesserung des Stadtklimas ergäbe sich daraus? Wie würde der durchlässige Grüngürtel unser Verkehrsverhalten verändern? Wieviel mehr Kölner und Gäste wären zur Nutzung des „Neuen Grüngürtels" und der erweiterten Rheinpromenaden zur Erholung, zum Sport, als Radfahrer, Naturfreund oder auf dem Weg zur Universität, zu den Kultureinrichtungen, zwischen Wohnquartieren und Stadtzentrum zu gewinnen?
Komplexe Fragen und interdisziplinäre Antworten
Um in den nächsten Jahrzehnten für Köln sinnvolle Entwicklungsziele formulieren zu können, ist das interdisziplinäre Arbeiten wichtiger denn je. Für die Anpassung der Kölner Innenstadt an die sozialen, ökonomischen und ökologischen Bedürfnisse der nächsten Jahrzehnte stellt die Arbeit in Teams aus Stadt-, Landschafts-, Verkehrsplanern, Architekten mit Soziologen, Ökonomen, Stadtökologen, Energieberatern und weiteren Fachleuten ein verantwortungsvolles, Zukunft sicherndes Handeln dar.
So verschieden die Interessengruppen, so verschieden sind die Ansichten über die Ausrichtung der BUGA für Köln. Aus Sicht der „Initiativgruppe Ausstellung Stadt – Köln 2023“ wäre es wünschenswert, die „BUGA Köln“ mit einer „Bauausstellung“ zu verknüpfen. Die Kombination der „BUGA Köln“ mit der „Bauausstellung" könnte dazu beitragen, die für die Umsetzung des Masterplans nötige Begeisterung und Kraft bei den Kölner Akteuren zu wecken und zu entwickeln. Durch die Beteiligung auswärtiger Experten, die Ausarbeitung der Bewerbung, die Ausschreibung von Wettbewerben und die Festlegung von Qualitätszielen flösse darüber hinaus auch weiteres Know-how nach Köln.
Mit diesem Wissen und dieser Innovationskraft könnte sich Köln als „Europäische Stadt von morgen" vorbildlich aufstellen. Für den integrativen Ansatz in Zusammenarbeit mit den vielen Interessensgruppen, die das Thema Stadtentwicklung für Köln betreiben, wäre Köln in der Lage, anstehende Fragen der Inneren Stadterneuerung auch für weitere Europäische Städte im 21. Jahrhundert exemplarisch zu beantworten.
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