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Deutsche Bundesgartenschau-Gesellschaft

Muss Kunst auf einer BUGA sein?

Ein Plädoyer für Kunst im Freiraum

In Zeiten unsicherer Finanzlagen mag leicht die Frage aufkommen, ob es denn unbedingt nötig ist, dass die öffentliche Hand kostenintensive Kunstwerke für den Stadtraum in Auftrag gibt. Neben der Kostenerwägung kommt noch ein weiterer Faktor hinzu, der schnell das Engagement für Kunst im öffentlichen Raum hemmt. Viele Stadtoberen und Ministerialbeamte befürchten, dass Kunst im öffentlichen Raum zu heftigen Debatten führt, leicht zu öffentlichem Streit eskaliert.

Figur BUGA Essen

Früher war es selbstverständlich, dass Denkmäler zu Ehren der Herrschenden im öffentlichen Raum aufgestellt wurden und so der Bevölkerung das Bewusstsein eingeschärft wurde, wem Repräsentation und Ehrerbietung gebühre. Heute, in der Demokratie, haben sich die politischen Machtverhältnisse geändert. Wir, die Wähler sind die wahre politische Macht, aber Denkmäler entstehen heute nur zur Erinnerung an historische Ereignisse, die wir nicht vergessen wollen.

Kunst im Freiraum – Denkmäler unserer Zeit

Wenn man aber die Grundidee des Denkmals in die Demokratie überträgt, dann ist es richtig, Kunst im öffentlichen Raum als die moderne Übersetzung des repräsentativen Denkmals zu verstehen. Indem Künstler und Künstlerinnen beauftragt werden, im öffentlichen Stadtraum ein modernes Kunstwerk zu realisieren, bekunden wir unseren Willen zur demokratischen Öffentlichkeit und auch unser Verständnis, wie diese geprägt und genutzt werden soll.

In diesem Sinn des politischen Grundverständnisses und des allgemeinen Engagements für die Kunst entstand nach dem Zweiten Weltkrieg in der jungen Bundesrepublik Deutschland das Engagement für Kunst im öffentlichen Raum. Diese Tradition gilt es unbedingt fortzusetzen. Daher ist es auch sinnvoll, gelegentlich an die anfänglichen Beweggründe zu erinnern.

Kunst als Herausforderung

Eine Bundesgartenschau ist immer eine besondere und zudem anspruchsvolle Gelegenheit, an diesen Grundgedanken von Kunst im öffentlichen Raum anzuknüpfen. Ein „Denkmal“ im modernen Sinne gebührt ja den Stadtbewohnern, die sich für die Realisierung einer Bundesgartenschau mit hohem Engagement einsetzen, für viele Jahre umfängliche Baumaßnahmen und Restrukturierungen des städtischen Raums in Kauf nehmen und dann für jeweils sieben Monate herzliche Gastfreunde für alle BUGA-Besucher sind. Daher ist die Realisierung von moderner Kunst, die dann in den neuangelegten BUGA-Gärten verbleiben kann, eine wichtige, große Chance demokratischen Kunstverständnisses.

Gute Kunst für die BUGA

Uhreninstallation Düsseldorf 1973

Wie aber findet man geeignete und gute Künstlerinnen und Künstler für eine BUGA? Ist es am besten, sich an die verschiedenen Künstlerverbände zu wenden, die die regionalen Künstler und ihre Interessen vertreten? Ist es besser, einen international vernetzten Fachmann für Kunst im öffentlichen Raum zu berufen? Es gibt verschiedenste Möglichkeiten, Künstler zu suchen und einzuladen. 

Eine BUGA weckt vor allem bei den Künstlern und Künstlerinnen der Region, die Begehrlichkeit, einen öffentlichen Auftrag zu erhalten. Und als Veranstalter einer BUGA sollte man berücksichtigen, in wie weit in der Region öffentliche Kunstinstitutionen und private Galerien den ortsansässigen Künstlern die Chance für Öffentlichkeit bieten. Kunst braucht Öffentlichkeit, denn nur hier kann sie sich beweisen und ihre Qualität testen. Deshalb kann es in einer Region mit geringer Kunstdichte wichtig sein, die regionalen Künstler mit einzubeziehen. 

Ein solches Verfahren öffentlicher Ausschreibung hatte zum Beispiel die BUGA Schwerin 2009 gewählt, weil  die Mecklenburg-Vorpommer’schen Künstler wenig Gelegenheiten zu professioneller Kunstöffentlichkeit in der Region haben. Aber in anderen Regionen mit hoher Kunstdichte müssen aus Gründen demokratischer Gerechtigkeit regionale Künstler nicht unbedingt berücksichtigt werden.

Kunstinstitutionen vermitteln

Andere Vorfahren sind beispielsweise: Es kann die Leitung des Kunstvereins in der BUGA-Stadt beauftragt werden, eine Künstlerauswahl zu treffen. Kunstvereine sind in der Mitte des 19. Jahrhunderts von Bürgern gegründete Kunstinstitutionen, die sich vor allem der Vermittlung moderner und zeitgenössischer Kunst im nationalen und internationalen Kontext widmen. Kunstvereinsleitungen verfügen daher über ein großes Know-How, welche Künstler interessant sind, was aktuell in der Kunst passiert und welche künstlerischen Formen für den öffentlichen Raum geeignet sind. Es kann ebenso ein einzelner Kurator, ein Fachmann für Ausstellungen moderner und zeitgenössischer Kunst engagiert werden, der einen Budgetrahmen gesetzt bekommt und ansonsten die Freiheit hat, Künstler und Künstlerinnen für eine BUGA einzuladen. 

Dies sind – kurz skizziert – die wesentlichen Verfahren, die geeignet sind, interessante Künstler für eine BUGA zu finden. Natürlich gibt es dazwischen alle möglichen Mischformen von Auswahlverfahren. Aber ob man nun ortsansässige Fachleute oder Verbände oder unabhängige Kuratoren einsetzt, die alles entscheidende Frage ist, nach welchen Kriterien will man eigentlich Eignung und künstlerische Qualität beurteilen. 

Kriterien für  Eignung und Qualität

Es wird gerne gesagt, über Kunst und Geschmack lässt sich nicht streiten. Aber dies ist meist nur der hilflose Versuch, zu verdecken, dass es eines ausgesuchten Expertentums bedarf, um Kunst fachgerecht und also angemessen beurteilen zu können. Daher plädiere ich unbedingt dafür, für die Künstlerauswahl kunsthistorischen Sachverstand zu engagieren. Dies kann eine Einzelperson sein, dies kann auch eine kompetent besetzte Jury sein. Künstlerverbände sind eher dazu verpflichtet, die Standes- und Überlebensinteressen ihrer Mitglieder zu berücksichtigen. Vertreter aus Kulturverwaltungen der Städte und Bundesländer haben meist eine fachfremde Ausbildung und können nicht genügend in den aktuellen Diskurs der Kunst eingebunden sein. Daher noch einmal ganz deutlich: eine BUGA sollte sich eine Fachperson oder eine Fachjury gönnen, um die schwierige Aufgabe der Künstlerauswahl optimal zu lösen.

Und woher kommt die zündende Idee für die Kunst auf der BUGA, im späteren Park? Muss es immer ein Thema geben? Und wenn, muss es immer das Thema „Natur“ für die Kunst auf der BUGA sein? Dazu werde ich in meinem nächsten Beitrag Erfahrungen und Tipps zusammenstellen.  

Fortsetzung folgt ...