Seit mehr als 60 Jahren verbessern wir nachhaltig die Lebens- und Standortqualität von Städten und Kommunen. Wir schaffen Oasen, Rückzugs- und Spielflächen im urbanen Raum. Dieser Erfolg macht uns stolz und spornt uns an.

Deutsche Bundesgartenschau-Gesellschaft

Nachdem der Vorhang fällt:
Was bleibt von Gartenschauen?

Sind Gartenschauen heute, 114 Jahre nach der ersten „richtigen“ 1897 in Hamburg noch zeitgemäß? Entscheidend ist für Heinrich Sperling, Geschäftsführer von bisher zehn Gartenschauen und Mitorganisator des deutschen Beitrags zur Floriade 2012 in Venlo: „Gartenschauen verändern etwas in den Köpfen! Grün wird wichtig, bei jedem Einzelnen und politisch. Das ist das eigentlich Nachhaltige an diesem Instrument. An Gartenschau-Orten ist immer ein neues Bewusstsein für den Wert und die Notwendigkeit kommunalen Grüns gewachsen.“ Und er fügt hinzu: „Ich habe noch in keiner Kommune von Bürgern oder Politikern gehört ‚Das würden wir nie wieder machen‘. Das Gegenteil ist der Fall!“ An Besuchern mangelt es den Gartenschauen jedenfalls nicht.

Welchen bleibenden Wert haben aber Gartenschauen für die Städte? Strukturell? Gartenkünstlerisch oder städtebaulich? Ist es angemessen, neben den Schaueffekten für das breite Publikum und der Leistungsschau der Verbände und Hobbygärtner doch recht beachtlichen Aufwand und viel Geld auf ein einziges Gelände zu konzentrieren? Oder wäre es vielleicht sinnvoller, sich den langfristigen Zielen einer nachhaltigen Stadtentwicklung zu verschreiben und Strategien gegen hohe Temperaturen (Klimaveränderung) zu entwickeln, die Reduzierung der Feinstaubbelastung zu forcieren und Frischluftkorridore und Schattenräume sowie wohnungsnahe Freiräume zu schaffen?

Vom Wert, vom Sinn und nachhaltigen Effekt

Vergleichende Untersuchungen zwischen klassischen Gartenschau- und dezentralen Konzepten – Stadt A, Budget Gartenschau und Stadt B, Budget dezentrale Stadtgrünentwicklung – hat nach meiner Kenntnis bislang niemand angestellt. Die notwendigen Parameter wären auch schwer isoliert zu ermitteln. Vielmehr wird heute sowieso von jeder Kommune und jedem Kreis erwartet, eine zeitgemäße Grünordnungs- und Stadtentwicklungspolitik im gesamten Stadtgebiet zu betreiben. Außerdem werden Gartenschauen nach den Kriterien der Deutschen Bundesgartenschau-Gesellschaft oder den Richtlinien der Fördergesellschaft des jeweiligen Bundeslandes vergeben. In der Regel enthält also schon die erforderliche Machbarkeitsstudie über den Alltag grünordnerischen Handelns hinausgehende Fragestellungen des zu verändernden Standortes. Selbst dort, wo die Durchführung einer Gartenschau umstritten war, selbst jene, die einen finanziellen Verlust hinnehmen mussten, bezeugen im Anschluss sehr oft Sinn und nachhaltige Effekte.

Seit Jahrzehnten beliebt: Gartenschauparks in Hannover,
Bonn und Düsseldorf

Beispiele für die langfristige Wirkung von Gartenschauen gibt es einige. Die Stadt Hannover hat nicht 1951 in die erste Bundesgartenschau nach Krieg investiert, den heute noch hochattraktiven Stadtgarten gebaut und danach die Hände in den Schoß gelegt. Klimaschutz, dezentrale und vielseitige Grünentwicklung und eine engagierte städtische Umweltpolitik sind durchaus Teil städtischen Handelns und auch der Haushaltpolitik. Das gilt auch für die Bundesgartenschauen 1979 und 1985 (in Bonn und Düsseldorf) sowie für Krefeld und Mönchengladbach als Teil der Dezentralen Landesgartenschau Düsseldorf/Mittlerer Niederrhein 2002.

Rettung als Naherholungsgebiet

Das Büro Hansjakob schuf zur BUGA 1979 in Bonn einen zeitlos modernen Landschaftspark, der den historischen Volksgarten Gronau integrierte. Zwischen dem Bonner Stadtteil Gronau und dem Bad Godesberger Stadtteil Plittersdorf stockte einst ein Auewald, der bereits durch die intensive Schiffbarmachung des Rheins gelitten hatte. Nachdem Bonn Ende der 1960er-Jahre zur Hauptstadt ausgebaut wurde, sollte auf dem etwa 200 Hektar großen Areal der Rheinaue ein repräsentatives Regierungsviertel entstehen. Durch den Zusammenschluss von Bonn, Bad Godesberg, Beuel und des Amtes Duisdorf (Hardtberg) im Jahre 1969 wurden diese Flächen zum Zentrum der neuen Stadt. Um die Grünräume als Naherholungsgebiet zu retten, bewarb sich die Stadt Bonn um die Bundesgartenschau 1979.

Rheinaue: vielseitig frequentierter Landschaftspark

Musikfestival Rheinkultur in der Rheinaue in Bonn

Die Rheinaue wurde zu einem Landschaftspark des 20. Jahrhunderts gestaltet, der sich fast nahtlos in die neue Stadtstruktur wie in die umgebende Landschaft einfügt. Der heutige Freizeitpark Rheinaue – Nachbar des Post-Towers und des Langen Eugen - ist fast so groß wie die Bonner Innenstadt. Viele Veranstaltungen fanden und finden seit 1979 in der Rheinaue statt. Das sind jährlich etwa 15 Großveranstaltungen mit fast 800000 Besuchern – neben jener halben Million Menschen, die den Park jedes Jahr einfach so nutzen.

Als ehemaliges BUGA-Gelände von 1987 ist der Düsseldorfer Südpark die größte und die am meisten frequentierte Parkanlage der Stadt. Er integriert den früheren „Volksgarten“ vom Ende des 19. Jahrhunderts. Auch dort war es das Ziel, das Gelände dauerhaft für die Naherholung zu sichern. Hier ging es vor allem um die städtebauliche Ordnung eines bis dahin ausgesparten Geländes zwischen Volksgarten und Werstener Kreuz. Die Planer knüpften an die Tradition der Gartenstadt Düsseldorf an und verbesserten erheblich die Qualität im Wohnumfeld der angrenzenden Stadtteile.

Eine große grünpolitische Leistung

„Im Rückblick wird deutlich, dass die Anlage des Südparks eine der ganz großen grünpolitischen Leistungen in Düsseldorf nach dem Zweiten Weltkrieg ist. Mit rund 72 Hektar Fläche ist er nicht nur der größte Düsseldorfer Park, sondern laut einer Bürgerumfrage aus dem Jahr 1999 auch die beliebteste und am häufigsten besuchte Grünanlage der Landeshauptstadt. Gleichzeitig wurden im unmittelbaren Umfeld 640 Kleingärten erhalten. Zusammen mit dem benachbarten Friedhof Stoffeln bilden diese Areale eine stadtklimatisch wichtige Frischluftschneise für die Düsseldorfer Innenstadt“, erklärt Manfred Krick, Leiter des Gartenamtes in Düsseldorf. „Der Südpark wurde zudem zum Motor für weitere Projekte wie die Anlage einer knapp 8,5 Hektar großen Grünfläche auf dem Werstener Autobahntunnel als direkte Verbindung der durch den Autobahnzubringer mit seinem starken Verkehr seit 1937 getrennten Stadtteile Wersten und Oberbilk. In den Grünzug parallel zur A 46 wurden fast acht Millionen Euro investiert sowie 5100 Bäume und 400000 Sträucher gepflanzt“, blickt Krick zurück.

Bewahren, Erneuern, Beleben

Nachnutzung im Winter

„Mit dem Ziel, die Gestaltsprache des 18. und 19. Jahrhunderts zu bewahren, wurden mit dem neuen Konzept der Dezentralen Landesgartenschau Düsseldorf/Mittlerer Niederrhein 2002in Nordrhein-Westfalen sieben historische Gärten saniert. Von den Barockgärten in Benrath bis zum englischen Landschaftspark von Burg Linn und dem Greiffenhorstpark in Krefeld entstand so ein lebendiges Kaleidoskop der Gartenkunst“, so Doris Törkel, Leiterin des Fachbereichs Grünflächen der Stadt Krefeld. Für sie ist das „ein nachhaltiger Ansatz mit dem Blick für die gartenkulturelle Vergangenheit einer ganzen Region.“

„Vom Durchgangsraum zum Raum mit nachhaltiger Aufenthaltsqualität“, auf diese Formel bringt Jörg Figgener, zuständig für Stadtentwicklung und -planung bei der Stadt Mönchengladbach, die Verbesserungen durch die Landesgartenschau 2002 im Park von Schloss Wickrath. „Es war richtig, dass sich Mönchengladbach mit seinen Kulturhistorischen Anlagen an der 2. NRW Regionale Euroga 2002plus und mit Schloss Wickrath an der Landesgartenschau beteiligt hat. Der Park von Wickrath ist nach langem Dornröschenschlaf nun wieder ein lebendiges Stück Mönchengladbach und hat mit seinen neuen Qualitäten Maßstäbe für weitere Projekte gesetzt“, bilanziert Figgener.

Fazit: Man sollte das eine (Gartenschauen) tun, ohne das andere (nachhaltige, zeitgemäße Stadtentwicklung) zu lassen: Das Modell „Gartenschau“ ist eine wandlungsfähige alte Dame, die noch immer Anziehungskraft und eine Menge Schwung entwickeln und helfen kann, für die unterschiedlichsten Fragestellungen Lösungen zu finden (Naherholung und Naturschutz, Wohnumfeldverbesserung sowie Tourismusentwicklung und Freizeit), was für Macher und Politiker sicher im Vordergrund steht. Gartenschauen sind zudem ein gut eingeführtes Markenprodukt und werden von den Bürgern „verstanden“, jedes Jahr aufs Neue bundesweit. Sie lassen sich publikumsnah und verständlich kommunizieren und sind trotzdem ein bewährtes und ebenso innovatives wie erneuerungsfähiges Mittel nachhaltiger Stadtund Regionalentwicklung, das belegen nicht nur die hier angeführten Beispiele.

Quellenhinweis: Imma Schmidt, Garten + Landschaft, Juni 2011, leicht aktualisiert