STADT I PARK + KUNST

Über den Mut und das Marketing von Kunst und Grün

Forum der Deutschen Bundesgartenschau-Gesellschaft
29./ 30. Juni in Münster

Das diesjährige Forum der Deutschen Bundesgartenschau-Gesellschaft hat in Münster Parkgestalter und Parkverwalter, Kommunen, Künstler(innen) und Kunstinstitutionen zusammen für die Gegenwartskunst im grünen Freiraum begeistern können. Mehr Mut zu zeitgenössischer Kunst zur attraktiven spannenden Gestaltung des städtischen Grüns wäre wünschenswert. Denn die u. a. neu mit der BUGA oder IGA geschaffenen Parks können mit der Gegenwartskunst eine geniale Symbiose eingehen. Schließlich intensiviert Kunst die grüne Ortserfahrung, stiftet zur Neugierde an, schafft Raum für Dialog und Intervention.

Praxisberichte und zahlreiche Vorträge vermittelten, wie und wo hervorragende zeitgenössische Kunst die Attraktivität des öffentlichen Raumes gesteigert hat. Münster als Organisator der alle zehn Jahre im ganzen Stadtgebiet stattfindenden „skulturprojekte“ war bewußt als Veranstaltungsort gewählt worden. Über zwei Tage erstreckte sich das Programm, aus dem wir die Referatsinhalte hier noch mal im Einzelnen aufzeigen: Über das Aktivieren, Kuratieren und Vermitteln sprach Sophie Goltz, Kunsthistorikerin und Stadtkuratorin aus Hamburg. Sie schilderte die Chancen, die der grüne Raum in der Stadt bietet, um mit Kunst globale Themen in die Stadt zu holen  und den Blick der Bürger auf IHREN Ort aufzuweiten. Seraphina Lenz, Künstlerin aus Berlin, berichtete über die Stadt als Bühne der ständigen Veränderung und führte ihre über einen Stadtauftrag seit acht Jahre laufenden Kunstaktionen im Stadtpark Berlin-Neukölln als Beispiel an. Prof. Dr. Dr. Oldengott schilderte die vielfältigen Kunst- und Kulturprojekte, die die Emschergenossenschaft zur Renaturierung des Flusses seit dem Jahr 2000 eingeleitet hat, um das Projekt breitenwirksam zu vermitteln. Dr. Anne Marie Freybourg sprach über die verschiedenen Auswahlverfahren, mit denen man Künstler finden, organisieren, lenken und begleiten kann.

Vom Atelier raus auf die Straße

Eine weitere Künstlerposition bot Martin Kaltwasser, Künstler aus Berlin, der für die IGA 2017 tätig werden wird. Lebhaft schilderte er seine architektonischen Interventionen im Stadtraum, die in den U.S.A. ebenso wie in Frankreich oder Italien stattfinden. Wie reagieren Bürger auf „kunstvolle“ Gebäude aus Abfallmaterialien mitten auf konservativ gestalteten Plätzen, die nach einer gewissen Zeit auch spektakulär zerstört werden und wieder verschwinden? Ein spannender Prozess, der den Ort anschließend ganz neu sehen lässt. Prof. Hutter, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler hat empirisch untersuchen lassen, wie das Neue überhaupt in die Gesellschaft kommt und wie lange es braucht, bis es Akzeptanz findet und Widerstände überwinden kann. Ute Weingarten von der artpress Kommunikationsagentur vermittelte handfest und praktisch alle Aufgaben, die mit der Erarbeitung und Steuerung der Kommunikation rund um die Kunst zusammen hängen: Nachrichtenwert und  Selektionskriterien. Prof. Dr. Oliver Scheytt schliderte Hürdenlauf, der notwendig ist, um Sponsoren zu finden: indem man Ihnen konkret vermittelt, wofür ihr Geld gebraucht wird und wie sie die gespendete Teilhabe positiv für sich nutzen können.

Kunst im Park für das Stadtmarketing

Wie Städte mit Kunstaktionen gewinnen können, wie die Kunst im Freiraum zur Attraktion im Marketing werden kann, schilderten Bernadette Spinnen aus Münster und Ulrike Klöppel aus Weimar. Dipl.-Ing. Beate Hückelheim-Kaune vom Bundesamt für Bauwesen brachte aktuelle Beispiele über die Kunst am Bau mit und exemplifizierte Vergabeverfahren und ihre Erfahrungen zur Akzeptanz der Kunst beim Nutzer der Räume und Plätze. Prof. Dr. h.c. Wilfried Wang, Architekt und Publizist definierte öffentlichen Raum, und stellte sich aus Architektensicht die Frage: Wie wirken sich Gestaltung und künstlerische Umnutzungen auf den öffentlichen Raum aus? Und Eelco Hooftman, Garten-  und Landschaftsarchitekt aus Edinburgh philosophierte über die Imagination vom Paradies, die mit einer kunstverfremdeten grünen Fläche einhergehen kann. Er zeigte aber auch auf, wie früh – eigentlich schon im Entwurf - sich moderne Landschaftsarchitektur, Gartenkultur und zeitgenössische Kunst gegenseitig befruchten können. Viele der hier vorgestellten Referate können über folgenden Link nacherlebt - und gelesen werden: >>>

Veranstaltungskonzeption und -organisation:Deutsche Bundesgartenschau Gesellschaft mbH in Zusammenarbeit mit Dr. Anne Marie Freybourg, Kunstpraxis, Berlin

GÄSTEBUCH

Hier ist Raum für Ihre persönlichen Anregungen, Wünsche, für Weiterführendes zum Thema,- auch gern schon vor der Veranstaltung.

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Hellmuth Henneberg , rbb, Rundfunk Berlin-Brandenburg, 16. Juni 2016
"Das Thema ist in Deutschland viel zu unterbelichtet. Gut das wir im öffentlichen Raum Interesse für die Kunst schaffen. Auch und gerade für zeitgenössische Kunst. Das fordert den Bürgerdialog heraus. Und verortet die Menschen stärker in ihrer Stadt - vielleicht auch mit regionalen Künstlern. Kunst im Park verändert den Blick auf das Grün und ermöglicht vice versa auch neue Perspektiven auf das Kunstwerk."

Zu einzelnen Referaten klicken Sie bitte HIER.