Vom Kaktus bis zum Pompon - alles Dahlie

Vom Juni bis zum Einbruch des Frostes erfreut die Dahlie jeden Besucher eines Parks, der sie pflanzt.
Ein Dahlienareal ist stets ein Publikumsmagnet. Im Britzer Garten Berlin fasziniert das „Dahlienfeuer“ die Gäste, im Essener GRUGA Park die Dahlienarena, die wie ein antikes Theater stufig im Halbrund angelegt wurde. Beide übrigens zu ehemaligen Bundesgartenschauen und heute auch für Mode- oder Werbeshootings beliebte Locations. Auch auf der IGA wurde wieder eine große Fläche, die „Dahliencorona“ mit den aus Mexiko stammenden Schönen bepflanzt.

Die Deutsche Bundesgartenschau-Gesellschaft fragte die Pflanzplanerin Ingrid Gock aus Lübeck, nach welchen Kriterien sie die Dahlien für diese spezielle IGA Pflanzung gewählt hat, die auch nach der Gartenschau im Park als Schmuckfläche bewahrt werden soll.

Ingrid Gock: Ich habe ein Farb- und Höhenkonzept entwickelt, von innen nach außen höher werdend und die (Teil)-Flächen so aufgeteilt, das es Dahlienflächen mit Gräsern und andere mit Wechselflor gibt. Übertragen auf die Gesamtfläche durchziehen diese beiden Pflanzen-Kompositionen das Areal in Bändern. So ergibt sich ein harmonisches Bild. Erst nachdem ich diese Kriterien festgelegt hatte, wurden die Dahlien für die einzelnen Flächen ausgewählt.  Auch hier habe ich noch mal strukturiert: es gibt ein bewußt geplantes Wechselspiel zwischen kleinblütigen und großblütigen Dahlien. Auf jeden Fall empfängt ein Meer aus Blütenformen die Besucher der Dahliencorona.

DBG: Welche neuen, apart blühenden Sorten gibt es?

Ingrid Gock: Es sind hier alle 16 Dahlienklassen gepflanzt worden. Was ich apart finde, sind immer wieder Seerosendahlien mit ihrer sehr eleganten Blütenform. Changierende Farben, wie sie bei der „IGA Rostock“ oder der „Lauren Michele“ vorkommen. Ausgefallen sind auch Kaktus – und Hirschgeweihdahlien – die meist mit ganz großen Blüten aufwarten. Unter ihnen gibt es Sorten, die wie ein Struwelpeter aussehen – im Gegensatz zu den Pompon Dahlien, bei denen die Petalen fast geometrisch angeordnet sind. Und was die Farben anbelangt: Gelb mit Lachsroa oder Lachsorange schockt erst – bei Dahlien wirken die Farben zusammen ganz anders und eröffnen neue Kombinationsmöglichkeiten mit dem Wechselflor. 

DBG: Welche Pflanzen können als ideale Begleiter daneben überhaupt bestehen?

Ingrid Gock: Dahlien lassen sich sehr schön mit Gräsern auflockern, farbbetonend – und erhöhend wirken Cleomen, Zinnien, Löwenmäulchen, Fingerhut, Echinaceen und hohe Salvien in ihrer Begleitung. Man kann sie auch gut wegen ihrer Wuchshöhe dazusetzen, ohne dass sie das Pflanzbild stören.

DBG: Was kann der Besucher aus der Anlage auf einer Gartenschau für seinen privaten Garten ablesen? Gibt es besondere Zusammenstellungen mit Gräsern, Stauden, Sommerblumen für das kleine Beet?

Ingrid Gock: Man kann alles aus der Dahliencorona auch kleinteilig übersetzen, das heißt Teilbereiche der großen Beete auch im privaten Garten nachpflanzen. In der Sortenauswahl und Begleiterauswahl sollte man sich aber beschränken. 2-3 Dahliensorten können es sein, die man selbst farblich schön findet, dazu kombiniert man ein höheres staudiges Gras wie Calamagrostis „Karl Förster“ oder das hohe Pennisetum setaceum – auch nicht zu stark wüchsiges Chinaschilf. Die Dahlien sollte man in einzelnen kleinen Gruppen pflanzen und die Begleiter gleich drumherum. Dazu vielleicht noch 2-3 Sommerblumen wie Zinnien und hohe gelbe oder orangefarbene Studentenblumen. Rosa Dahlien werden am besten von blau blühenden Stauden begleitet: da macht sich hoher Salbei gut oder rosabläuliche Cleomen, die ins Weiß rübergehen - vielleicht noch in Kombination mit Löwenmaul.

DBG: Wo konnte der Besucher auf der IGA Informationen über die Dahlien bekommen?

Ingrid Gock: Im i-Punkt GRÜN und in den Blumenhallenschauen parallel. Im i-Punkt GRÜN liegen auch Flyer von der  Deutschen Dahliengesellschaft aus. Im übrigen geht das Interesse der Besucher heute tiefer. Man will nicht nur den schönen Augenrausch sondern am besten per IQ Code Infos bekommen.

DBG: In der Marzahner Dahlien Corona beginnt die Pflanzung im Norden mit kühlen Farbkompositionen und wechselt zu warmen Farben im Süden. Sind dazu auch historische Dahlien verwendet worden?

Ingrid Gock: Wo setzt historisch an? Vor 1960? Ja, dann habe ich auch historische Sorten verwendet, aber die sind ganz normal im Sortiment vertreten. Sie sind bei Züchtern zu erwerben, die sie schon immer weiterkultiviert haben. Sorten wie zum Beispiel Dahlia „ Arc de Triomphe“ oder die dekorative zweifarbige „Deuil du Roi Albert“. Am südlichen Ende der Dahliencorona finden sich auch ein paar Wilddahlien. Sie sind einer Aktion der Deutschen Dahliengesellschaft zu verdanken. Kleinblütige Dahlien sind  - von der Blütenform her - eher einfach blühende, Orchideenblütige oder Pompon-Dahlien. Wesentlich großblütiger sind Kaktus-, Semikaktus und Hirschgeweihdahlien, die auch Höhen bis 1,40 und höher erreichen können. Unsere Aussteller sind die Gärtnereien/Gartenbaubetriebe Engelhardt, Koschker, Panzer, Schwieters, Wagschal, und Wirth. Einfachblühende Dahlien des Züchters Prof. Otto wurden von Koschker, Panzer und Wagschal geliefert.

DBG: Nun liegt die Ausstellungsfläche mitten in den Gärten der Welt. Soll sie erhalten bleiben?

Ingrid Gock: Die Dahliencorona soll erhalten bleiben.

DBG: Was raten Sie Kollegen vom Fach für den Einsatz von Dahlien im öffentlichen Grün. Viele Dahlienpflanzungen in Parks werden ja leider rückgebaut, weil die Pflege zu aufwendig sei. Was sagen Sie dazu?

Ingrid Gock: Es stimmt schon, das die Pflege aufwendig ist. Dahlien sind eine saisonale Bepflanzung und bieten im Hochsommer und Herbst ein Blütemnmeer. Im Vergleich zu anderem Wechselflor ist die Beetpflege nicht viel aufwändiger und keineswegs aufwändiger als ein Rosenbeet. Die saisonale Bepflanzung muss von Juni bis Oktober gut aussehen. Man hat hier einen zeitlich bedingt höheren Pflegeaufwand als bei anderen Schmuckbeeten -  regelmäßig müssen welke Blüten und beschädigtes Laub ausgeschnitten werden. Düngen, Wässern, gegebenenfalls Stäben sind Notwendigkeiten – bieten dann aber auch ein attraktives Schmuckbeet. Dann zaubern Dahlien jedes Jahr ein neues Bild. Sie sind gute Leitpflanzen und man kann schöne Bilder mit ihnen gestalten. Auch in Richtung Bauerngarten lassen sie sich mit Kräutern zusammen pflanzen. So wie es die Pflanzplanerin Christine Orel schon getan hat. Will man nicht jedes Jahr wieder neu kaufen, kann man sie ausgraben und im Keller trocken, hell und kühl zwischenlagern. Vor den Eisheiligen kommen sie dann wieder in die Erde. Dahlien sind auf jeden Fall im Kommen, es ist halt entscheidend, wie die Pflanzen kombiniert und präsentiert werden.

DBG: Gibt es inzwischen winterharte Sorten, oder solche die den Winter nach Ihrer Erfahrung besser überstehen?

Ingrid Gock: Nein, die gibt es nicht. Es hängt von der Region ab und wie feucht der Winter ist. Am besten bewahrt man sie wirklich im Keller.

DBG: Womit sollte im Frühjahr im öffentlichen Grün eine zunächst kahle Dahlienfläche bepflanzt sein?

Ingrid Gock: Zum Beispiel mit Goldlack, Vergissmeinnicht, Viola, Tausendschönchen, Tulpen und Narzissen. Attraktiv wirkt gleich danach ein Wechselflor in dem Dahlien langsam mit viel Blattgrün dazwischen aufkommen. Die Sommerblumen/Stauden sollten einen ähnlichen Nährstoffbedarf haben wie die Dahlien – stickstoffbetont.

DBG: Welche Pflanzen rahmen Dahlien gut ein?

Ingrid Gock: Gräser, aber kräftige Gräser, die entsprechend gegen die Konkurrenz der Dahlie ankommen, weil sie voluminös und stark ist.

DBG: Welche Stützmaßnahmen werden hier auf der IGA getroffen?

Ingrid Gock: Wir stützen nur wenn es unbedingt notwendig ist, dann wird aber nicht höher gestäbt, als die Dahlie gewachsen ist. Wir verwenden Tonkinstäbe und binden mit Rebenbindern, Drähten, die papierummantelt sind – sie schneiden nicht in die Pflanze ein. Dahlien sollte man nie zu eng pflanzen, in der Fläche stützen sie sich selbst.

DBG: Wie viele Pflegegänge waren auf der IGA notwendig, um die Dahliencorona von Juli bis Oktober in gutem Blühzustand zu halten?

Ingrid Gock: Zu Beginn wurde vorrangig Unkraut gezupft, gewässert und der Wechselflor regelmäßig ausgeschnitten. Inzwischen ist ein ständiges Ausschneiden von Verblühtem notwendig.

DBG: Wo informieren sich Berufskollegen am besten über Dahlien?

Ingrid Gock: Zum einen bei der Deutschen Dahliengesellschaft auf deren Internetseite: www.ddfgg.de. Dort kann man Sorten aussuchen, erfahren wo es sie gibt und in welchem Dahliengarten sie in ihrem Habitat zu erleben sind. Zum Beispiel im großen Dahliengarten in Hamburg oder in Ochtrup. Die einzelnen oben genannten Züchter haben meist eigene Websiten, die ihr Sortenangebot auflisten. Bettina Verbeek von der DDFGG hat ein sehr gutes Fachbuch über Dahlien geschrieben, (Dahlien, die schönsten Sorten und ihre Pflege ) auch das lohnt es zu durchstöbern. Für Mitglieder ist das Jahrbuch der Gesellschaft empfehlenswert. 

Danke für das Gespräch!

i-Punkt GRÜN

Das Beratungs- und Infor- mationszentrum „Garten- bau“ auf der IGA Berlin 2017

Der i-Punkt GRÜN ist das zentrale Beratungs- und Informationszen- trum „Gartenbau“ für die Besuche- rinnen und Besucher der Internationalen Gartenausstellung Berlin 2017.

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