Europäisches Gartennetzwerk - European Garden Heritage Network (EGHN)

Die Geschichte der Gartenkunst in Europa ist seit Jahrhunderten durch einen intensiven Austausch kultureller Strömungen geprägt. Beispiele hierfür lassen sich in nahezu allen gartenkünstlerischen Stilrichtungen finden. Besonders gut ist dies an den Englischen Landschaftsgärten des 18. und 19. Jahrhunderts ablesbar. Die Englischen Landschaftsgärten verbreiteten sich in fast allen Teilen Europas. Interessant ist, dass sich dabei ganz unterschiedliche Ausprägungen entwickelten, je nach politischen, kulturellen oder klimatischen Bedingungen sowie nach Auftraggeber und Zeitpunkt der jeweiligen Gestaltung. Die Zeit der Aufklärung brachte nicht nur neue Gestaltungsideen. Beeinflusst durch Bildungs- und Entdeckungsreisen sowie die Sammelleidenschaft für Pflanzen aus aller Welt hielt eine beeindruckende neue Pflanzenvielfalt Einzug in unsere Gärten und Parks.

Die Einflüsse dieser Entwicklung reichen bis in unsere heutige Landschaftsarchitektur. Selbst wenn wir den Begriff der Gartenkunst für aktuelle Planungen nicht länger verwenden und auch der Umgang mit der pflanzlichen Vielfalt heute weniger mutig erscheint als noch vor 200 Jahren, ist die Entwicklung zeitgenössischer Gärten und Parkanlagen in fast allen Ländern Europas ein angesagtes Thema. In der Regel stehen dabei heute eher soziale Aspekte in urbanen Zusammenhängen oder Ansätze zur Förderung der Biodiversität und des Klimaschutzes im Vordergrund.

Ob Neuanlage oder das Wiederentdecken und Restaurieren historischer Anlagen, eine Stärkung des Bewusstseins für die kulturelle Bedeutung unserer Parks und Gärten fördert die europäische Gartenkultur. Netzwerke helfen dabei, eigene Potentiale zu erkennen, durch den Erfahrungsaustausch in Pflege, Weiterentwicklung, Management und Vermarktung voneinander zu lernen, Entscheidungsträger zu überzeugen oder schlichtweg mehr Besucher zu erreichen.

Mit diesen Zielen wurde das Europäische Gartennetzwerk EGHN zwischen 2003 und 2008 im Rahmen eines von der EU geförderten INTERREG Projekts ins Leben gerufen und entwickelt. Neben der oben beschriebenen Netzwerkidee sollte eine besucherorientierte Informationsvermittlung im Vordergrund stehen. Hierzu wurden unter anderem regelmäßig Plakate und Informationsbroschüren gedruckt und gemeinsame Messeauftritte organisiert. Darüber hinaus wurden übergeordnete mehrsprachige Konzepte für Besucherleitsysteme in Parks und Gärten sowie Bildungsangebote für Schulen entwickelt.

Zentrales Element des EGHN war und ist jedoch ein mehrsprachiger Internetauftritt (www.eghn.eu), der die Anlagen des Netzwerks international präsentiert.[1] Für die Besucher der Anlagen sind damit Informationen abrufbar, die über den Informationsgehalt üblicher Gartenreiseführer hinausgehen. So findet man neben einer allgemeinen Einführung (Prolog) für jeden Garten eine ausführliche Erläuterung mit Wissenswertem zur Geschichte, zu dendrologischen Besonderheiten, zu Blühereignissen etc., zur umgebenden Kulturlandschaft oder zu Eintrittspreisen und Führungsangeboten. Insgesamt wird das EGHN damit zu einer gartentouristischen Plattform mit hohem Informationsgehalt, die den Zugang in die Gartenregionen entweder über regionale Gartenrouten, über interaktive Karten oder über Themenbereiche ermöglicht. Das Neue an der damaligen Projektidee war, dass diese Themen über die klassischen Bereiche der Gartenkunstgeschichte hinausgehen sollten. So finden Besucher heute den Zugang zu den Gärten nicht nur geografisch oder über die Geschichte der Gartenkunst, sondern auch über Themen wie  „Gärten berühmter Persönlichkeiten“, „Fruchtbare Gärten“,  „Zeitgenössische Gärten“ und „Grüne Stadtentwicklung“.

Ansatz des EGHN ist es, einen ganzheitlichen Blick auf die Gartenkunst zu richten, also auch zeitgenössische Anlagen zu präsentieren und nicht nur die großen, sondern auch die kleineren, oft versteckt liegenden und geheimnisvollen Anlagen erlebbar zu machen. Das EGHN ist nicht, wie manchmal vermutet, als Netzwerk zur Gartendenkmalpflege angelegt. Auch wenn viele der Anlagen des EGHN Gartendenkmäler und einige sogar Weltkulturerbe-Stätten sind, ist das Netzwerk in erster Linie ein Zusammenschluss von Eigentümern und Betreibern einzelner Anlagen sowie von gartentouristisch bedeutsamen Regionen.

Während der EU-geförderten Aufbauphase war das Europäische Gartennetzwerk auf England, Frankreich, Belgien, Niederlande und Nordwestdeutschland beschränkt. Nach 2008 wurde es in der Trägerschaft der Stiftung Schloss Dyck mit Sitz in Jüchen nahe Düsseldorf weiterentwickelt. So sind heute rund 190 Gärten aus 14 Ländern Europas Partner in dem sich mittlerweile selber tragenden Netzwerk zusammengeschlossen und die internationale Netzwerkarbeit wird langsam aber kontinuierlich ausgebaut.

Mit dem Projekt Hybrid Parks hat sich von 2012 bis 2014 ein Teil der Partner im Rahmen eines INTERREG-geförderten Projekts intensiv mit neuen Anforderungen und Nutzungen für Parks und Gärten in Europa beschäftigt. Im Vordergrund standen hier soziale, kulturelle und ökologische Fragestellungen im Umgang mit Parks und Gärten.[2]

Seit dem Jahr 2010 verleiht das EGHN jährlich den Europäischen Gartenpreis in vier Kategorien.[3] Eine international besetzte Jury bewertet dabei die „beste Weiterentwicklung eines historischen Gartens“, das „innovativste Konzept oder Design eines zeitgenössischen Gartens“, das „beste großräumige Grünkonzept“ und entscheidet über einen Sonderpreis der Stiftung Schloss Dyck mit jährlich wechselndem Themenschwerpunkt.

Nicht zuletzt dank des Europäischen Gartenpreises werden stets neue Gärten oder Gartenregionen in Europa auf das EGHN aufmerksam und treten dem Netzwerk bei. Im Jahr 2014 nutzte die Bretagne das EGHN dazu, eine gartentouristische Route zu entwickeln und diese mehrsprachig auf der EGHN Website zu platzieren und in der Reihe der regionalen Gartenführer zu publizieren.[4] Im Jahr 2016 führte die schwedische Region um Göteborg das internationale Gartenfestival „Gothenburgs Green World“ durch und präsentierte dabei vier ganz unterschiedliche Gärten im Rahmen des EGHN.[5] Insgesamt sind von 2014 bis 2016 rund 30 Gärten aus sechs Ländern dem EGHN Netzwerk beigetreten. Ein Wachstumstempo, welches im Sinne der Projektträger ist, zumal die Stiftung Schloss Dyck als gemeinnütziger Träger des Netzwerkes keine wirtschaftlichen Interessen mit dem EGHN verfolgen muss.

Abschließend ist festzuhalten, dass der Erfolg eines Netzwerkes immer auch von den Aktivitäten der Netzwerkpartner abhängig ist. Wie vermutlich in jedem Netzwerk, gibt es auch im EGHN eine große Zahl eher passiver Partner im Verbund mit einzelnen Partner, die das Netzwerk sehr aktiv für sich nutzen. Für Letztere gibt es äußerst positive Beispiele, die von Mitarbeiterqualifizierungen durch Austausch von Fachkräften über gemeinsame Präsentationen auf Messen und Flower Shows, Konferenzen und Workshops bis hin zu praktischen Fragen der Pflege von besonderen Gartensituationen reichen. Schließlich bietet das Netzwerk auch die Möglichkeit, die Gartenkultur in Europa touristisch zu erkunden. Immerhin reicht das EGHN mit seinen rund 190 Partnern von den Sommergärten in Sankt Petersburg bis nach Monserrate im portugiesischen Sintra oder von Arley Hall in Cheshire bis zur Villa Bardini in Florenz.

Abschließend ist festzuhalten, dass der Erfolg eines Netzwerkes immer auch von den Aktivitäten der Netzwerkpartner abhängig ist. Wie vermutlich in jedem Netzwerk, gibt es auch im EGHN eine große Zahl eher passiver Partner im Verbund mit einzelnen Partner, die das Netzwerk sehr aktiv für sich nutzen. Für Letztere gibt es äußerst positive Beispiele, die von Mitarbeiterqualifizierungen durch Austausch von Fachkräften über gemeinsame Präsentationen auf Messen und Flower Shows, Konferenzen und Workshops bis hin zu praktischen Fragen der Pflege von besonderen Gartensituationen reichen. Schließlich bietet das Netzwerk auch die Möglichkeit, die Gartenkultur in Europa touristisch zu erkunden. Immerhin reicht das EGHN mit seinen rund 190 Partnern von den Sommergärten in Sankt Petersburg bis nach Monserrate im portugiesischen Sintra oder von Arley Hall in Cheshire bis zur Villa Bardini in Florenz.

Und es gibt nicht nur bekannte und bereits gut erschlossene Gartenkultur mit herausragenden Gärten wie Hestercombe, Egeskov, Het Loo oder Herrenhausen zu entdecken. Ein Ansatz des EGHN ist es, auch Gärten mit zu nehmen, die erst am Anfang eines Weges stehen. Ein Beispiel hierfür ist die noch recht junge Anlage des Schlesischen Botanischen Gartens in Mikolów, Polen. Ein botanischer Garten neuen Stils, welcher die Idee einer ganzheitlichen Umweltbildung vorbildlich umsetzt. Die Gärten von Kerdalo in der Bretagne sind ein bemerkenswertes Bespiel dafür, wie es gelingen kann, einen außergewöhnlichen Künstlergarten in eine gesicherte Zukunft zu führen. In Georgien wiederum war das EGHN im Jahr 2016 über eine Tagung daran beteiligt, das Potential nahezu vergessener Gärten entlang der ehemaligen Seidenstraße auf die kulturpolitische und touristische Agenda des Landes zu heben.

Die Gartenkunst in Europa ist vielfältig, und es gibt noch Vieles zu entdecken und weiterzuentwickeln. Das EGHN wird hierzu auch in Zukunft im Rahmen seiner Möglichkeiten seinen Beitrag leisten. Wichtig ist, dass diejenigen, die sich um die Gartenkultur bemühen, „an einem Strang ziehen“ und sich für unsere Parks und Gärten einsetzen. Gartenkunst in Europa ist ein Stück kulturelle Identität unseres so vielfältigen Kontinents. Deshalb bleibt zu hoffen, dass das Jahr 2018, als „Europäisches Jahr des kulturellen Erbes“ der Europäischen Union, auch den Blick für die Gartenkunst schärft und so Impulse setzt, die weit in die Zukunft ausstrahlen.

Schloss Dyck, 6. März 2018
Text und Fotos: Jens Spanjer

Einladung zum „Rendezvous im Garten“

Die Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landschafts-kultur e.V. (DGGL) und das European Garden Heritage Network (EGHN), sowie weitere Partner vernetzen die Besucher von Parks und Gärten in Deutschland und im europäischen Ausland mit Aktionen und Pressearbeit. Wie es geht und wo Sie sich bewerben können, lesen Sie hier...

Das EGHN-Magazin "Gartenland NRW"

mit den Schwerpunkten "Kunst & Kultur"und "Grüne Städte"
als PDF-Download hier.

Auf die Website zum European Garden Heritage Network geht es hier: www.eghn.org