Das Bild des Gärtners

In seinem Buch „Das Jahr des Gärtners“ schrieb der tschechische Schriftsteller Karel Capek einmal: „Allen sonstigen Meinungen zum Trotz entsteht ein Gärtner weder aus Samen noch aus Schößlingen, Zwiebeln, Knollen oder Ablegern, er wächst einzig und allein durch die Erfahrung, durch die Umgebung und durch Naturbedingungen.“ Und wie wahr dieser Satz ist, wissen wir alle, die wir mit Leidenschaft gärtnern, auch wenn wir selbst keine gelernten Gärt­ner sind. Wenn man einen Satz wie den von Capek liest, taucht fast von selbst vor dem geistigen Auge das Bild eines Gärtners auf, den man selbst kennt oder einmal gekannt hat. Aber es gibt nicht nur solche „Kopfkino-Bilder“ – immer wieder haben sich auch Maler dem Portrait eines Gärtners gewidmet. Und um viele dieser Bilder ranken sich Geschichten!

Wenn auch der erste Gärtner, der in der Bibel erwähnt wird, Noah war, der einen Weinberg anlegte, so ist doch der bekannteste Gärtner der Heiligen Schrift der Christen Jesus selbst: Als Maria nach Jesu Tod zu seinem Grab kam und dies leer vorfand, weinte sie. Zu ihr trat der auferstandene Jesus, um sie trösten, doch Maria erkannte ihn zunächst nicht und hielt ihn für einen Gärtner – ein oft gemaltes biblisches Motiv.

Dass Gärtnern in erster Linie harte Knochenarbeit war, wird sehr schön an dem 1607 entstandenen Gemälde „Der Herbst“ von Abel Grimmer deutlich, das mehrere Gärtner bei typischen Tätigkeiten wie dem Umgraben und dem Harken und Bepflanzen von Beeten zeigt. Der ganze Stolz des Berufs­standes der Hofgärtner, die für Könige und Fürsten Gärten und Parks anlegten und pflegten, zeigt sich prachtvoll in einem Bild aus dem Jahr 1675, das Hendrick Danckerts zugeschrieben wird. Es zeigt den königlichen Gärtner John Rose, der dem englischen König Charles II. eine von ihm gezogene Ananas entgegenhält. Eigenbrötlerisch in seinem Tun versunken zeigt sich hingegen der Gärtner, den Carl Spitzweg auf die Leinwand gebannt hat.

Regelrecht skurril ist das Kostüm, dass wohl für die Bühnenrolle eines Gärtners vorgesehen war und Nicolas de Larmessin zugeschrieben wird. Es zeigt einen mit diversen Gartengeräten beladenen Mann, der in ein Gewand aus allerlei Früchten gehüllt ist. Und seine Ärmelmanschetten bestehen aus bepflanzten Blumentöpfen! Vincent van Goghs Gemälde „Der Gärtner“, das 1998 aus der Galleria Nazionale d'Arte in Rom gestohlen wurde, ist schließlich der Beweis, dass Gärtner nicht nur bestohlen, sondern auch gestohlen werden können!

Dass man als Gärtner nicht nur durch das Gärtnern selbst, sondern auch auf ganz andere Weise zu Berühmtheit kommen kann, beweisen Ian und Barbara Pollard, das nackt gärtnernde Ehepaar von Abbey House Gardens in Großbritannien, die es durch ihr hüllenloses Wirken im Garten auf die Titelseiten aller britischen Zeitungen geschafft haben. Wer’s mag…? Dann kann man doch eher der ganz aus Pflanzen geschaffenen riesigen Skulptur eines Gärtners etwas abgewinnen, die in den Montreal Botanical Gardens zu sehen ist. Wer solche „grünen Skulpturen“ schätzt, sollte unbedingt eine Reise in diesen botanischen Garten unternehmen, wo man zum Beispiel eine ganze Pferdeherde aus Pflanzen oder einen bewachsenen VW Käfer besichtigen kann. Doch das ist eine andere Gartengeschichte, die vielleicht ein anderes Mal erzählt wird!

Text: Antje Peters-Reimann