Überraschungen in einem großen Rosen-Experimentierfeld

Viele Anregungen zum Nachpflanzen im öffentlichen Raum

Interview mit der Planerin und Freien Landschaftsarchitektin Hanne Roth, die wir inmitten ihres Rosenareals auf der IGA Berlin 2017 trafen.

DBG: Wie die Blütenblätter einer Rose sind die sechs Pflanzflächen um einen Platz herum angelegt. Wie hat sich die Anlage bis jetzt bewährt?

Hanne Roth: Wie ich beobachten kann gut. Die Besucher haben ausreichend Möglichkeit, sich zwischen und innerhalb der Blütenblätter zu bewegen. Auch wenn ich  zugebe, dass die Vogelperspektive aus dem Wäldchen nicht wirklich ausreichend ist, um das System zu erkennen. Wenn man um die Anordnung weiß, sieht man sie natürlich. Man müsste höher hinaus. Die Wege innerhalb der Blütenblätter sind  manchmal dem Besucheransturm nicht gewachsen. Zu viele Menschen wollen die Rosen genau betrachten, ihrem eventuellen Duft auf die Spur kommen.

DBG: Wie musste die Erde vor der Pflanzung aufbereitet werden?

Hanne Roth: Gerne hätte ich etwas lehmigeren Boden gehabt, angereichert mit Pferdemist. Beides habe ich nicht bekommen. So hat man mit Perliten und Komposterde gearbeitet. Es funktioniert, aber doch nur mit besonderem Einsatz. Wir müssen ständig den pH wert im Visier behalten.

DBG: Sie haben nur Rosenzüchtungen ab dem Jahr 2000 eingesetzt. Wie kamen Sie auf die Idee?

Hanne Roth: Nun ja, es gibt ja unheimlich viele neue Züchtungen, die beim Endverbraucher nicht richtig ankommen, im wahrsten Sinne des Wortes. Nichts gegen Gloria Dei, aber die kennen nun wirklich alle  Rosenbegeisterten zur Genüge. Aber kennt man den „Weg der Sinne“, „Garden of Roses“, „Kurfürstin Sophie“, „Arabia“, „Jazz“, „Rote Hannover“,  „Hansestadt Rostock“, „Sweet Pretty“, „Deseo“, oder „Alissar Princess of Phoenicia“? „Inspiration“, „Roma“ oder „Lady Emma Hamilton“? Immerhin sind ja diese Sorten zum Teil auch schon 16 Jahre auf dem Markt. Und die neuen Züchtungen gehen besonders auf Mehrfach-Resistenzen ein, wir brauchen gesunde Rosen! Und dann gibt es verschiedene Richtungen: die einfachen Schalenblüten, die zum Teil ein wahres Wunderwerk sind, und für Bienen und Schmetterlinge wahre Genussmeilen darstellen.  Die anderen üppig, pompös, stark gefüllt und duftend. Auch wunderschön. Und das Schöne: man kann sie zusammenpflanzen!

DBG: Welche Farbkompositionen sind besonders gut in der Hauptblühphase im Juni aufgegangen? Und welche werden remontierend zusammen spielen?

Hanne Roth: Das ist so einzeln gar nicht zu sagen. Es gibt ja auch immer Übergangsphasen, dann die Stauden dazu. Jedenfalls konnte man von Anfang an den Farbverlauf erkennen. Und alle Rosen haben einen 2. Flor geschoben, der sicher nicht ganz so intensiv war, wie der 1. Danach haben wir den Rückschnitt veranlasst, damit die Pflanzen auch Hagebutten ausbilden können.

DBG: Welche Erfahrungen haben Sie mit der Beeteinfassung Bloombux (anstelle von Buxus) gemacht?

Hanne Roth: Der Bloombux konnte von den Baumschulen nicht geliefert werden.  Und ein Ersatz für Buxus ist diese Azalea definitv nicht, auch wenn es im ersten Moment so wirken mag.

DBG: Empfehlen Sie die zwischen gesetzten  Staudeninseln auch für das Öffentliche Grün?

Hanne Roth: Ja, unbedingt! Zum einen kann man wunderbare Kompositionen schaffen, mit besonderen Geranium Sorten zum Beispiel. Nicht nur Blau geht, auch Magenta funktioniert und Veronicastrum und Gräser ergänzen das Beet auch in einer Zeit nach der Rosenblüte.

DBG: Welchen Rat geben Sie aus heutiger Sicht Kollegen, die neue Rosenzüchtungen aus diesem Areal pflanzen wollen? Gibt auch pflegeleichte darunter, die nur wenige Pflegegänge erforderlich machen?

Hanne Roth: Ja klar. Eigentlich sollte ein Rückschnitt der Blüten ausreichend sein, um dann einen zweiten Flor zu erhalten. Wenn die Blätter gesund sind, kein Problem. Ich persönlich bin kein Freund von Spritzmitteln, auch nicht vorbeugend. Lieber den Boden aufpeppen, mit Steinmehl oder anderen organischen Substraten, dass die Pflanzen gestärkt wachsen können. Und dann empfiehlt sich eine Kombination mit Stauden, die die Rosen nicht verdrängen, das ist optimal. Hierfür eignen sich „Sweet Pretty“, eine meiner besonderen Lieblinge, „Roma“, „Garden of Roses“, „Pomponella“, „Sangershäuser Jubiläumsrose“,  auch „Charisma“ und „Piano“, beide Edelrosen, aber genial im Aussehen, Blütenfülle und Habitus. Im Weiteren gefallen mir die Sorten „Roseninsel“, „Botticelli“ und „Chippendale“ sehr gut, „Jazz“ und „Hansestadt Rostock“, die Bienenweide Sorten, „Stadt Rom“ natürlich, „Westzeit“ und „Simply“. Bestimmt habe ich noch tolle Sorten vergessen…, aber man muss es auch einfach ausprobieren. Man muss sich auch trauen, völlig verschiedene Rosentypen nebeneinander zu pflanzen. Es kann nichts schiefgehen.

DBG: Um den Blick der Besucher auch mal nach oben zu lenken und die Gesamtanlage erfassen zu lassen, haben Sie Rambler an einigen Parkbäumen angesetzt. Haben die neuen Sorten funktioniert?  

Hanne Roth: Ja, schwierig. Ich gebe zu, dass hier meine Vorstellungen einzig von „Appleblossom“ erfüllt wurden. Alle anderen haben nicht richtig Fuß gefasst, obwohl sie alle besondere Behandlung erfahren haben. Vielleicht hätten sie noch mehr Wasser und Dünger gebraucht, um richtig los zu legen. Aber ein Robinienwäldchen, voll mit Rosenblüten… das wär schon noch ein Traum.

DBG: Wo gibt es Informationen zu den  Rosen für Besucher?

Hanne Roth: Im gärtnerischen Infozentrum i-Punkt GRÜN mit speziellen Vorträgen, Pflanz- und Pflegehinweisen. Und natürlich über die IGA Führer. Und in Zukunft auch im Besucherzentrum.

Die Randgestaltung mit aufrecht wachsenden Gräsern wie Calamagrostis „Karl Förster“ und Panicum virgatum „Northwind“ machen diesen Rosengarten zu einem ungewöhnlichen gärtnerischen Experiment. Haben Sie Reaktionen von den Besuchern erhalten?  

Ja. Es wird von Besuchern wie von Fachleuten sehr positiv wahrgenommen.  So anders, so locker, so leicht wirkt das, sagen sie. Nicht so streng.  Tatsächlich reden ganz viele Menschen darüber, es fällt auf, dass die Ordnung in diesem Rosengarten anders ist.

DBG: Was ist für sie in die private Welt integrierbar?

Hanne Roth: Fast alles! Das ist ja ein wesentlicher Motor für mich, den Menschen Pflanzungen zu präsentieren, die sie im übertragenen Sinne mit nach Hause nehmen können.  Für das Zusammenspiel von Staude, Gras, Zwiebelpflanze  und Rose brauch ich keine 100 m². Mit Beispielen aus den einzelnen Abschnitten kann man in jeden Garten das Virus Rose implantieren. Für kleine wie für große Räume.

DBG: Müssten die Vertikalen wie Allium und Steppenkerze eine Stütze erfahren, oder kann man sie einfach so zwischen den Rosenstöcken wachsen lassen?

Hanne Roth: Nein keinesfalls. In meiner Vorstellung gibt es keine Stützen. Entweder darf eine Pflanze umfallen, gehört also mit zur Idee, oder sie bleibt eben stehen. Allium und Steppenkerzen waren Teil der Einfassung, und dürfen stehen bis zum Umfallen…Erst wenn sie liegen, können sie weggenommen werden, eine Kunst der Pflege, die nicht ganz einfach umzusetzen ist. Denn die wenigsten Pflegegärtner können diese Sprache lesen.

DBG: Wie sind sie mit dem Wetter zurecht gekommen: erst zu kalt, dann zu heiß, dann zwischenzeitlich Starkregen in der Senke. Welche professionellen Maßnahmen waren erforderlich, um ein bestmögliches Blühergebnis zu erzielen?

Hanne Roth: Na ja, wie man sieht in letzter Konsequenz nicht schlecht. Man wünscht sich ja das Wetter immer anders, als es kommt. Zu wenig Wasser vom Himmel ist jedoch besser regulierbar, als zu viel. Darunter leidet natürlich der Blütenflor. Besonders im Juni/Juli mussten wir hinterher sein, dass sich keine Pilzkrankheiten in der Fläche festsetzten.  Aber dann waren die abgeblühten, oder besser abgeregneten Blüten alle nachgeschnitten und es konnte sich ein zweiter Flor aufbauen.

DBG: Wie wird der Rosengarten der IGA langfristig unter der Pflegeführung der Grün Berlin GmbH erhalten werden? Ist an eine Verkleinerung gedacht, oder bleibt er als Publikumsmagnet erhalten?

Hanne Roth: Noch war ich nicht in Gespräche eingebunden. Natürlich würde ich den Garten pflegetechnisch weiter begleiten. Es ist vorgesehen, den Garten in der geplanten Form zu erhalten. Wenn man gute Gärtner findet, die auch ein Gefühl für Pflanzen haben, dann habe ich schon Hoffnung. Ein paar Sorten, die sich schwer tun, aus welchen Gründen auch immer, würde ich herausnehmen, und die Flächen eventuell noch mit Stauden ergänzen. Aber im Wesentlichen kann der Beitrag in die nächsten Jahre gehen.

Wir danken für das Gespräch, Frau Roth!

Wettbewerbsverfahren am Beispiel der BUGA Heilbronn

Wird eine BUGA/IGA innerhalb eines neuen Baugeländes erschlossen, lobt im ersten Schritt das Planungsreferat einer Stadt/Region einen Wettbewerb für ein städtebauliches Gesamtkonzept oder einen Realisierungswettbewerb für das Gelände aus. Dem folgt ein landschaftsplanerischer Ideen- und Realisierungswettbewerb für die eingebetteten BUGA/IGA-Inhalte. Mit ihm werden die Strukturen für die zukünftige Gartenschau festgelegt. Dann folgen Einzelausschreibungen der BUGA Durchführungsgesellschaft für die Gestaltung bestimmter Ausstellungsbereiche: zum Beispiel eine Ausschreibung für bauliche Maßnahmen zur Geländevorbereitung oder zu den einzelnen Gartenschau-Inhalten/-Themen.

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Versailles, Sanssouci, Herrenhäuser Gärten – das sind Größen der Gartenkunst, ehrenvoll gealtert, gehegt und gepflegt, international bekannt und anerkannt. Doch Gartenkunst entstand nicht nur mit den großen Barock- und Landschaftsgärten. Es gibt auch eine Vielzahl unbekannterer und jüngerer Perlen der Gartenkunst, die nicht minder wertvoll und beachtenswert sind. Und deren Pflege und Erhalt oft großes Engagement und starke Überzeugungsarbeit erfordern.

Dieses Aufgabenfeld gehört zu den Kernthemen der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur (DGGL). Nicht nur in der Vergangenheit, sondern bis heute spielen Gärten und Parks eine wesentliche Rolle in der Gestaltung unserer Städte. Ihre Entwicklung und Erhaltung sind essentiell für eine nachhaltige Stadtplanung. Der 12. Themenband der DGGL gibt einen Überblick über die Geschichte der Gartenkunst, die Ideen, die dahinter stehen und darüber, wie sich Gartenkunst künftig weiterentwickeln kann.

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