BUGA Erfurt 2021: Immer dem Wasser nach

Der egapark baut tropisch aus: Die Architektin Viktoria Wille entwarf für das Klimazonenhaus Danakil eine spannende Reise durch Wüste und Regenwald.

Fettschwanzmaus, Dornschwanzagame, Pfeilgiftfrösche und Skorpione – es ist eine illustre, tierische Runde, die zur Bundesgartenschau 2021 auf der Ega zu bestaunen sein soll. Oder besser gesagt im Klimazonenhaus Danakil, das der Knüller des Buga-Hauptstandortes werden soll. Dass die Anlage, die auf der Fläche der früheren Zentralgaststätte gebaut wird, tatsächlich eine Attraktion wird, liegt maßgeblich in den Händen von Viktoria Wille. Die Berliner Architektin und Chefin des Büros „Stories within Architecture“ ist Szenografin, also verantwortlich für die inhaltliche Gestaltung von Danakil. verantwortlich für die inhaltliche Gestaltung von Danakil. „Das szenografische Konzept ist zuerst da gewesen“, sagt Viktoria Wille über den Entstehungsprozess mit Partnern aus verschiedenen Architekturbüros. An erster Stelle habe dabei die Frage gestanden: Was ist eigentlich das Verbindende im Spannungsfeld zwischen Wüste und Regenwald? Das Wasser! Natürlich aus ganz unterschiedlicher Sicht. Während in der Wüste Pflanzen und Tiere Strategien entwickeln, wie sie jeden Tropfen retten, müssten im Regenwald alle eher damit kämpfen, der Wassermassen Herr zu werden.

Ob sie also erstmal ein Semester Bilologie belegt habe? Nein, bei Viktoria Wille sei ohnehin eine große Begeisterung für die Natur und biologische Themen Grundlage ihrer Arbeit. Zudem: „Ich habe Spaß am Recherchieren und den Dingen auf den Grund zu gehen.“

Bei ihren Recherchen, mit welchen Pflanzen und Tieren man den Weg des Wassers am besten erzählen könne, stieß sie beispielsweise auf die Fettschwanzmaus. Diese lege, wie ihr Name schon sagt, im Schwanz Vorräte an, um durch trockene Zeiten zu kommen. Ähnlich einem Kamel. Die Maus hat für Danakil den Vorteil, dass sie nicht so groß ist. Auch in der Pflanzenwelt gibt es Spezies, die gern Vorräte anlegen. Kakteen etwa, die durch Falten variabel sind, um mehr oder weniger Wasser auszunehmen. Ein weiteres schönes Beispiel sei die Dornschwanzagame. die besonders auf den Wechsel zwischen Warm und Kalt eingestellt sei. Wenn es morgens noch kalt ist, ist sie schwarz und brezelt sich in die Sonne. Hat sie ihre Körpertemperatur erreicht, wird sie gelb. Ein Pendant aus der Pflanzenwelt ist der Köcherbaum. Mit seiner silbrigen Rinde weist er allzu heiße Strahlen ab. Beide spielten also, wie Wille sagt, mit der Sonne. Die Herausforderung, vor der die Szenografin stand und steht ist aber, diese kleinen Geschichten verständlich zusammenzubringen und erlebbar zu machen. Für die Wüste soll dies ein Trick leisten. Der Besucherweg ist abgesenkt, so dass das Geschehen über aber auch unter der Oberfläche sichtbar sein wird. Wenn es also dem Wüstenskorpion am Tag (unter seiner Wärmelampe) zu heiß wird, verkriecht er sich in eine Höhle – wo die Besucher ihn aber von der Seite sehen können. „Was wir nicht brauchen sind Schilder“, sagt Viktoria Wille. Da dennoch was erklärt werden muss, grübeln sie und ihre Mitstreiter derzeit darüber, mit welchen Medium was am besten zu erzählen ist. Ob mit Film, Text, Ton. Das gilt für den Süßwasserrochen im Regenwald genauso wie einen besonderen Kaktus. Als Führer durch die Schau werde es etwas geben, was schon immer zur Wassersuche gab. Eine Wünschelrute. Diese aber als App oder per Audioguide, bei dem sich über Sender und Empfänger der jeweilige Standort automatisch einschaltet. Ideen und Lösungen für diese Details zu finden, sei die Hauptarbeit für die Szenografen bis zur Eröffnung des Danakil-Hauses im Jahr 2021.

Das Wichtigste sei am Ende der Spannungsbogen, der die Besucher stets neugierig auf den nächsten Ort macht. „Dass die Leute nichts verstehen, wäre das schlimmste, was passieren kann“, sagt Wille. Und das beste, wenn die Leute gar nicht merkten, dass sie etwas lernen.“

Autor: Casjen Carl / Thüringer Allgemeine

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Klimazonenhaus wird vom Land gefördert

Für Erfurts größtes Projekt zur Bundesgartenschau 2021 gibt es grünes Licht: Die Klimazonenwelt "Danakil" wird vom Land Thüringen mit 15,5 Millionen Euro gefördert.

"Danakil" wird mitten im Park gebaut und insgesamt über 21 Millionen Euro kosten. Besucher können den tropischen Urwald und die äthiopische Wüste "Danakil" erleben und sich auf die Suche nach Wasser begeben. Vieles wird interaktiv gestaltet. Per App geht es beispielsweise auf Wünschelroutentour: Gäste können in die Höhle eines Skorpions schauen oder es auf magischen Monitoren regnen lassen.

Nach bisherigen Planungen soll "Danakil" 83 Meter lang sein und bis zu 13 Meter hoch werden. Der Komplex vereinige 1.250 Quadratmeter Wüstenhaus und 820 Quadratmeter Urwaldhaus. Auch nach Ende der Bundesgartenschau werden jährlich bis zu 100.000 Besucher erwartet, sagte Ega-Chefin Weiß.