Mobilität der Zukunft

Nachhaltig und individuell

Die Mobilität der Zukunft ist nicht nur elektrisch. Sie ist vernetzt, sie ist grün, sie ist innovativ und individuell. Das Privatfahrzeug hat als Symbol für Freiheit und Unabhängigkeit schon längst Konkurrenz bekommen. Je nach Lebensmodell und Wohnort versprechen flexible Optionen wie beispielsweise Car-Sharing, Mitfahrzentralen oder die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel klare Vorteile – der moderne Mensch bewegt sich multimodal.

Das Karlsruher Internet Unternehmen raumobil GmbH greift mit seiner Mobilitätsplattform „Green Mobility“ die individualisierte und nachhaltig orientierte Anfahrtsplanung auf und bietet auf einer Plattform den direkten Vergleich von Reisedauer, Kosten und CO2-Emissionen für die Anreise unter anderem mit Bahn, Fernbus, Auto, Mitfahrgelegenheit, Flugzeug oder ÖPNV. Autofahrern bietet die Karte eine exakte Wegbeschreibung sowie Informationen zu Verkehrsbehinderungen und Parkplätzen in der Umgebung.

Am Anfang des StartUps im Jahr 2006 stand die Idee der ersten Sharing Community. Damals noch vom High-Tech Gründerfonds finanziell unterstützt, braucht es heute keine öffentlichen Gelder mehr, um Projekte zu realisieren: „Generell gibt es keine direkte Förderung, die Entwicklung wird über diverse Dienstleistungsprojekte querfinanziert, da raumobil auch als Agentur für größere Kunden Webportale und -applikationen erstellt“, so Geschäftsführer Oliver Wolf, der gemeinsam mit Michael Böttger ein 15-köpfiges Team leitet. „Seit einigen Jahren sind wir außerdem regelmäßig Projektpartner bei diversen orschungsprojekten im Mobilitätsumfeld. Viele Ergebnisse daraus fließen dann direkt in die Weiterentwicklung von Green Mobility ein.“

Die Idee zu Green Mobility Map entstand 2009 durch eine Anfrage des Weltleichtathletikverbands (IAAF) im Rahmen der Leichtathletik-WM in Berlin. raumobil wurde beauftragt, ein Anreise-Tool zu entwickeln, das Verkehrsmittelvergleich, CO2-Rechner und Informationen zur CO2-Kompensation gewährleistet.

„Wir haben gesehen, dass hier ein Bedarf besteht und jede Veranstaltung hinsichtlich der Besucheranreise individuelle Anforderungen abhängig vom Location-Umfeld hat“, so Wolf. Die ersten Plattformen waren noch sehr aufwändig in der Erstellung und Anpassung: „Die erste Hürde, die wir überwinden mussten, war die Akquise diverser Partner, um möglichst viele Mobilitätsdaten zur Verfügung zu haben.“ Über Bus und Bahn, Fernbusverbindungen, Mitfahrgelegenheiten, Nahverkehr, Taxi und Flüge bis hin zu Spritpreisen, Parkhäusern und Carsharing mussten vor der eigentlichen Umsetzung zunächst wichtige Partner und Daten gewonnen werden. „Die größte technische Herausforderung bestand darin, die vielen verschiedenen Verkehrsdatenschnittstellen in ein einheitliches Format zu bringen, um sie such- und vergleichbar zu machen“, berichtet Oliver Wolf.

Die Technik ist dabei aber nur die eine Seite der Medaille. Für Wolf und sein Team war es genauso wichtig, dem User ein Endergebnis zur Verfügung stellen zu können, das auf jedem Endgerät eine optimale Nutzungsqualität bietet.

Inzwischen wurde das Tool so optimiert, dass es schnell und unkompliziert für beliebige Veranstaltungsorte angeboten und individualisiert werden kann. Auch eine kostenlose Basisversion kann in einfachen, wenigen Schritten online durch den Nutzer selbst generiert werden.

Auch bei Partnern und Kunden erkennt er eine deutliche Bewusstseinsänderung im Bereich nachhaltige Mobilität. So habe die Bereitschaft zur Kooperation, die eigenen Mobilitätsdaten auch anderen Portalen bereitzustellen, in den letzten Jahren zugenommen. „Die Anbindung der Partnerangebote erfolgt per Schnittstelle, somit sind auf Green Mobility immer aktuelle Angebote verfügbar, die direkt miteinander verglichen werden können. Die Buchung der Fahrzeuge beziehungsweise der Kauf der Tickets erfolgt dann direkt auf den Partnerportalen.“

Die Kunden-Nachfrage spricht für das Konzept von raumobil. So ist die Karlsruher Ideenschmiede aktuell unter anderem für das Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg beratend tätig und konzipiert ein digitales Verkehrskonzept für den Nationalpark Schwarzwald.

Oliver Wolf sieht den Grund darin, dass sich die Lebensstile hinsichtlich des Mobilitätsverhaltens seit einigen Jahren von Grund auf verändern: „Mobilität muss heutzutage sozial, zukunftsfähig, ökologisch und ökonomisch sein. Insbesondere in den Städten verzichtet heute eine wachsende Zahl junger Erwachsener auf ein eigenes Auto. Zwei Drittel der jungen Menschen lebt in der Stadt und organisiert fortschreitend die eigene Mobilität multimodal, das heißt, dass wegeabhängig verschiedene Fahrzeuge genutzt werden.“

Die schnell fortschreitende technologische Entwicklung, aber vor allem auch ein verändertes Wertebewusstsein, der verantwortungsvolle Umgang mit vorhandenen Ressourcen, Klimaschutz und der Wunsch nach steigender Lebensqualität unterstützen das Bedürfnis zur Veränderung der heutigen Verkehrskonzepte. „Der Trend geht von einem Individualverkehrsmittel geprägten Personenverkehr hin zu flexiblen, intermodalen und vernetzten Mobilitätssystemen. Hier möchten auch die Veranstalter ihren Besuchern Lösungen anbieten, die den neuen Bedürfnissen gerecht werden“, deutet der raumobil-Geschäftsführer den Erfolg der Green Mobility.

Entsprechend liefern seine Kunden auch wertvollen Input zur Weiterentwicklung der Plattform. So erfolgte beispielsweise eine Internationalisierung des Tools durch das Wacken Open Air Festival, da hier viele Besucher aus ganz Europa aber auch aus Übersee anreisen. Die Darstellung und permanente Veränderung von Baustellen und Straßensperrungen während einer längeren Bauphase waren neue Anforderungen, die von den Städten Tuttlingen und Karlsruhe an die Karte gestellt und von raumobil implementiert wurden. Von den neu entwickelten Features profitieren dann direkt auch alle Bestandskunden, die das Tool bereits im Einsatz haben.

In Karlsruhe wird die Plattform aktuell konzeptionell, optisch und auch technisch komplett überarbeitet: „Hier fließen alle unsere Erfahrungen der letzten Jahre mit ein. Wir verfolgen künftig einen sehr modularen Ansatz, also eine Art Baukastensystem mit einem
Verkehrsmittelvergleich basierend auf Echtzeitdaten  als zentralem Element. Dieses Kernelement kann in jede beliebige Webseite und App einfach eingebunden und um weitere Baukastenmodule erweitert werden, zum Beispiel Content zur Beschreibung der Lage vor Ort, Parksituation, Shuttles, Karteninhalte und User-Mobilitätsprofile. Im Rahmen von Unternehmensmobilität kann perspektivisch auch eine Fuhrparkanbindung  und Dienstreiseplanung gewährleistet werden.“

Auch kleinere und regionale Anbieter aus dem Mobilitätsumfeld sollen durch standardisierte Schnittstellen für Verkehrsmittelanbieter künftig befähigt werden, ihre Angebote auf der Green Mobility Plattform selbst einzubinden.

Das Nutzererlebnis bleibt für Wolf und sein Team nach wie vor im Fokus ihrer Entwicklungsarbeit: „Langfristig wollen wir dem Endverbraucher ein einheitliches Informations-, Buchungs- und Abrechnungssystem bereitstellen, das einerseits verschiedene Mobilitätsanbieter und Verkehrsträger flexibel integriert und andererseits eine integrierte, transparente und barrierefreie Möglichkeit zur Nutzung aller Mobilitätsdienstleistungen bietet.“

Mit wachsender Komplexität und immer mehr unterschiedlichen Endgeräten stellt die positive Userexperience eine sehr große Herausforderung dar. „Ziel ist es nach und nach die Schnittstellen und Prozesse im Hintergrund so zu optimieren, dass wir ähnlich wie Google mit einem Suchschlitz alles abfangen können. Auch könnte man sich vorstellen, dass irgendwann Sprachsteuerungselemente hinzukommen“, so Wolf.

Mit Blick in die Zukunft sieht der Mobilitäts-Experte eine noch deutlichere Entwicklung hin zur Intermodalen Mobilität: „Die Art und Weise unserer Fortbewegung wird sich in den nächsten Jahren noch weiter verändern. Die Entwicklung des Verkehrssektors wird vom Verzicht vieler Menschen auf das eigene Auto zugunsten der „Shared Mobility“ mit individualisierten Mobilitätslösungen geprägt sein. Selbstfahrende Autos gehören schon in wenigen Jahren zum Alltag im Straßenverkehr zudem ist auch ein Abschied des Schienenverkehrs aus dünn besiedelten Regionen zu erwarten. Durch eine flächendeckende Anwendung intelligenter Technologien könnten neue Akteure optimale Reiseketten zusammenstellen und die traditionellen Verkehrsunternehmen dazu zwingen, ihr Geschäftsmodell zu verändern. Zukünftige Mobilitätskonzepte müssen deshalb zwingend individuelle, alltägliche Präferenzen und Komfortbedürfnisse der Nutzer erfüllen und die Barrierefreiheit des Zugangs zu den Verkehrsträgern sicherstellen.“